AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Mehr Zeit bitte!

Im Bild oben siehst du die Uhr die unser Sohn in den ersten beiden Jahren seiner Ausbildung gemacht hat. Hinter dem Zifferblatt kannst du die vielen Zahnräder, Schräubchen und Teile erkennen. Alle zusammen machen die Uhr aus, die zuverlässig Stunde um Stunde, Minute um Minute und Sekunde für Sekunde anzeigt. Die meisten dieser Teile sind genau für diese Uhr in Handarbeit angefertigt worden.

Kannst du dir vorstellen wieviel Planung, Geduld, Ausdauer, Frustrationstoleranz, Fokus, Selbstvertrauen usw. es gebraucht hat, bis die Uhr fertig war und auch im richtigen Tempo getickt hat? Es gab eine Zeit, in der all diese Eigenschaften und Fähigkeiten unseres Sohnes in Frage gestellt waren.

Eine Arbeit zielgerichtet zu verfolgen, das Endergebnis im Auge zu behalten und sich durch Rückschläge nicht entmutigen lassen, ist keine Selbstverständlichkeit. Für dein Kind mit AD(H)S, Asperger usw. weit mehr als für andere. Das grösste Hindernis sind dabei oft starke Gefühle von Angst, Enttäuschung, Scham, Wut, Ärger und Entmutigung, die sich oft schon automatisch einstellen, wenn die Herausforderung um einen Tick zu gross ist. Denn, was für ein anderes Kind mit einem Schulterzucken hingenommen oder beiseite geschoben wird, ist für dein Kind ein scheinbar unüberwindliches Hindernis.

Was dann meistens folgt, ist ein Wutausbruch, in dem all diese Gefühle als Cocktail gut durchmischt vorkommen. Vor kurzem habe ich einen englischen Artikel gelesen, in dem dieser Zustand als „meltdown“ (Nervenzusammenbruch, Kernschmelze) bezeichnet wurde. Ich glaube das beschreibt die Situation für das Kind sehr gut. Denn es wird von einem mächtigen Gefühlssturm überrollt, der alle Möglichkeiten zu Vernunft und Einsicht ausser Kraft setzen.

Es ist nun nicht schwer zu erraten, dass dein Kind solche Herausforderungen möglichst vermeiden will, wenn es sich dabei so hilflos heftigen Emotionen ausgesetzt fühlt. Deshalb hilfst du deinem Kind am besten, wenn du ihm in dieser Situation beistehst. Indem es seine Gefühlslage immer besser kennen lernen, einordnen und integrieren kann, wird es immer besser und schneller wieder in ein inneres Gleichgewicht kommen.

Und im Unterschied zu anderen Kindern braucht dieser Vorgang für dein Kind viel mehr Zeit, viel mehr Begleitung und ja, auch viel mehr Geduld. Denn es gibt zahlreiche Anlässe, die für dein Kind eine aussergewöhnliche Herausforderung darstellen. Und jedesmal muss es aufs Neue diese neue Situation, mit seiner Gefühlswelt verknüpfen.

So kannst du deinem Kind helfen mit dem emotionalen Ausnahmezustand fertig zu werden.

  • Zeig deinem Kind, dass du verstehst wie es sich gerade fühlt
  • Lass ihm Zeit den Gipfel der Wut zu erreichen
  • Gib ihm Worte für das was es fühlt
  • Lass dabei auch dein Gesicht sprechen und spiegle was du siehst
  • Gib ihm zu verstehen, dass du da bist, bis der Gefühlssturm sich gelegt hat
  • Finde heraus wieviel Nähe deinem Kind in dieser Situation gut tut (nicht alle Kinder wollen in diesem Ausnahmezustand berührt werden)
  • Stell dich darauf ein, dass es noch viele Anlässe wie diese geben wird

Jedes Mal kommt es so seinem inneren Gleichgewicht ein klein wenig näher und kann irgendwann auch selbst mit diesem Ansturm fertig werden. Denn was man kennt, verursacht weniger Stress. Und wenn dein Kind eines Tages sagt: das macht mich sooo wütend, ich bin sowas von enttäuscht, ich fühl mich so unruhig, dass ich es kaum aushalten kann usw., dann kannst du stolz auf dich sein… weil deine Mühe und Geduld anfängt Früchte zu tragen 😉

Was meinst du? Schreib mir gern deine Fragen, Gedanken, Anmerkungen in den Kommentar!