AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Nein, ich will noch…

Kommen dir die beiden Sätze bekannt vor? Ja? Mir auch. Insbesondere in der Umstellung zur Sommerzeit. Wenn es noch dazu abends um eine Stunde länger hell ist, war es für unseren Sohn immer wieder schwierig einen neuen Rhythmus zu finden. Und ehrlicherweise muss ich zugeben, dass mir ab und an der Geduldsfaden gerissen ist. Wissend, dass der nächste Morgen mit einem Schultag aufwartet und die später einbrechende Finsternis auch bedeutet, dass man eine Stunde früher aufstehen muss. Und dass das Kind dann kaum aus dem Bett zu bringen ist.

Im Sommer ja kein Problem, denn bis dahin ist auch die innere Uhr endlich umgestellt und abgesehen davon, sind die Schultore geschlossen. Aber bis dahin ist für abendlich Zoff mit der Neuordnung der Zeit oft gesorgt. Und bei Kindern mit abweichender Entwicklung (also ADS mit oder ohne H, Asperger, Entwicklungsdefiziten, Wahrnehmungsproblemen, Teilleistungsschwächen usw.) kommt es auch in diesem Punkt häufig zu Problemen. Denn wer sich in seinem Körper nicht gut zuhause fühlt, hat oft auch Schwierigkeiten die innere Uhr zu spüren und einzuordnen.

Du erkennst das daran, dass dein Kind gähnt und sich die Augen reibt, wie ein weiches Gummimännchen in sich zusammen sinkt und auf die Frage „bist du müde?“ mit einem rebellischen „Nein!“ antwortet. Nun, wem sollst du jetzt glauben? Deinen Augen oder den Worten deines Kindes?

Du weißt ich bin nicht perfekt und deshalb verrate ich dir jetzt, dass ich manchmal meinem Sohn geglaubt habe. Warum? Weil es Momente waren, in welchen ich selbst müde und abgespannt war. Weil ich deshalb keine Lust auf konfliktreiche Auseinandersetzungen hatte. Und vielleicht auch, weil das Zusammensein mit ihm gerade so gemütlich war. Aber meist habe ich das am nächsten Morgen bereut. Der Konflikt wurde also auf diese Weise nur in die frühen Morgenstunden exportiert.

Doch manchmal dachte ich abends auch an die ohnehin nicht ganz einfache Aufstehe-Prozedur des nächsten Morgens und bestand darauf den Tag zu beenden. Auf diese Weise hatte ich die Konfliktzone in zwei halbwegs gleiche Portionen aufgeteilt. Kennst du das auch? Dann wünschst du dir sicher, dass wenigstens ein Ende des Tages einigermassen entspannt abläuft. Was also tun?

Wenn du bis hierhin gelesen hast, dann verrate ich dir jetzt, was bei uns zu einer entspannten Schlaf-Atmosphäre beigetragen hat. Ok, nicht immer, aber immer öfter 😉

  • Frage dich zu aller erst nach deinen eigenen Bedürfnissen. Bist du müde und abgespannt? Dann sag das deinem Kind, dass du geschafft bist und dass es jetzt Zeit ist ins Bett zu gehen. Du findest das egoistisch? Ich nicht. Denn dein Kind lernt dadurch dass Mama oder Papa auch auf sich selbst achten und erhält somit ein Beispiel wie man seine eigenen Bedürfnisse respektieren kann. Ausserdem passen deine Worte garantiert zu deinem erschöpften Gesicht, das von deinem Kind ja schon längst richtig erkannt wurde.
  • Vermeide lange Erklärungen und Schokotorten-mit-Blümchen-Ton. Sag freundlich und bestimmt was du sagen oder haben willst und gib deinem Kind ein wenig Zeit, deine Worte zu verdauen und in Handlungen umzusetzen. Bleib dabei in Kontakt mit dir selbst und vertraue darauf, dass es klappen wird. Glaub mir, ich konnte es am Anfang kaum glauben, dass das funktioniert. Aber unser Sohn hat mir das Gegenteil bewiesen. Denn was Kindern mit Orientierungsproblemen ganz besonders hilft, ist Klarheit.
  • Und wenn dein Kind Schwierigkeiten hat sich selbst zu organisieren, dann baue ihm kurze, klare Brücken, wie zum Beispiel „noch zehn Minuten, dann machst du dich fertig“ und „jetzt noch Zähne putzen“ und „der Pyjama wartet schon“ und „husch unter die Decke“ und auch „ich weiß, es ist noch hell draußen und du bist noch etwas durcheinander mit der neuen Zeit, aber morgen sollst du ausgeschlafen sein.“
  • Wenn es deinem Kind hilft, dann gib ihm die Unterstützung die es jetzt noch braucht. Die Lieblingspuppe oder das Lieblingstier zum Beispiel. Oder eine kurze Geschichte, auch Musik die es mag und zur Entspannung beiträgt (bei unserem Sohn war das Barockmusik, denn die fand er schon in seiner Bauchzeit gut zum einschlafen). Oder auch deine Gesellschaft – frag dich zuvor aber ehrlich wie lange du bleiben willst und sag deinem Kind das Ergebnis. Vielleicht hilft es auch, wenn du zum Einschlafen ein Kleidungsstück von dir zurück lässt. Dein Kind ist zu groß dafür? Wer weiß – frag nach! Es kann ja sein, dass dieses Angebot Grund genug ist, gemeinsam zu lachen. Umso besser, dann wird dein Kind in guter Laune einschlafen (und möglicherweise deine Idee, wenn auch als Scherz annehmen).

Dann wünsche ich dir heute abend eine geruhsame Nacht! Schreib mir gerne, auf welche Erfahrungen du beim Thema Schlafengehen bauen kannst oder was dir sonst noch dazu einfällt. Ich freu mich auf deinen Kommentar.