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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Jetzt konzentrier dich doch mal!

Also gesagt habe ich das ja nicht so oft, wenn es wieder einmal zehn oder mehr Anläufe gebraucht hat, bis wenigstens ein Teil der Hausaufgabe erledigt war. Glaube ich zumindest.

Aber gedacht habe ich das oft. Und ich spürte dabei diese Ungeduld in mir: Das kann doch nicht sein, er ist doch sonst so klug und kann sich in andere Dinge so konzentriert und ausdauernd vertiefen. Und irgendwann erkannte ich, dass unter anderem auch meine innere Unruhe und der Druck die Atmosphäre zum entspannten Arbeiten verdorben hat. Das war also mein Teil des Problems. Das musste ich mit mir selbst ausmachen.

Doch dann war da noch dieser andere Teil. Warum war es für unseren Sohn so schwierig, mit seiner Aufmerksamkeit bei der Sache zu bleiben, wenn es um Hausaufgaben ging?

Die Aufmerksamkeitsspanne:

Wie auch andere Fähigkeiten muss ein Kind für verschiedenste Herausforderungen, Ausdauer und Dabeibleiben erst Lernen. Für das eine Kind leichter, für ein anderes ungleich schwieriger. Es kann sein, dass es bei seiner Lieblingsbeschäftigung einen durchaus langen Atem hat. Jedoch bei einer neuen Aufgabe, erst mal die Erfahrung machen muss, dass es das überhaupt schaffen kann. Wenn du also feststellst, dass dein Kind mit einer Anforderung zu kämpfen hat, dann ist es eine gute Idee, die Aufgabe in kleine, für dein Kind machbare Schritte zu zerlegen.

Kurze Einheiten, tragen besser zum Gelingen bei, als eine lange. Lass dein Kind zwischen diesen Einheiten also kurze Pausen machen. Zum Beispiel ein paar Minuten mit Hund oder Katze spielen, eine Runde hüpfen, springen oder tanzen, denn Bewegung löst die Anspannung. Oder ein Glas Wasser trinken und tief durchatmen.

Achte auf das Tempo deines Kindes, wann es bereit ist weiter zu machen. Vielleicht denkst du jetzt: „Ach nööö, da werden wir mit den Aufgaben ja nie fertig!“ Glaub mir, den gleichen Satz hatte ich auch auf den Lippen. Und ich musste viel Geduld und Mut mit mir selbst aufbringen um solche Gedanken zu überwinden.

Was mir dabei geholfen hat, war die Erkenntnis, dass es für unseren Sohn einfach so schwierig war, Aufgaben zu erfüllen, die weit über seinen aktuellen Möglichkeiten waren. Das wäre so, als ob ich am Klavier gerade erst den Flohwalzer gelernt hätte und als nächstes etwas aus Brahms Tänzen spielen sollte. Oder wenn ich beim Stricken gerade dabei bin mühsam eine Masche nach der anderen zu stricken und von jetzt auf gleich ein kompliziertes Zopfmuster zustande bringen sollte.

Solche Bilder haben mir immer wieder geholfen zu verstehen mit welchen Schwierigkeiten unser Sohn gerade kämpft oder wie sich das für ihn anfühlt.

Wenn du deinem Kind also die Zeit und den Rhythmus lässt, die es für eine Herausforderung braucht, dann werde dir bewusst, dass Anfängerschritte Zeit benötigen. Dein Kind profitiert von dieser geschenkten Zeit, weil es in der Kompetenz der Ausdauer und des Selbstvertrauens immer sicherer und stärker wird.

Hier nochmal kurz zusammengefasst, wie du deinem Kind helfen kannst, bei der Sache zu bleiben:

  • Kurze Einheiten sind bei Herausforderungen leichter zu meistern als lange.
  • Lass deinem Kind Zeit für Pausen zwischen den Aufgaben. Nicht vor dem Bildschirm – das bringt dein Kind zu weit vom Arbeitsmodus weg – sondern wie schon oben beschrieben.
  • Achte auf Klarheit der Struktur. Mach einen klaren Anfang, räume Ablenkungen aus dem Blickfeld und der Reichweite deines Kindes weg. Hilf deinem Kind, die nötigen Schritte zu erkennen.
  • Leite dein Kind Schritt für Schritt durch die Anforderungen.
  • Sorge für eine entspannte Atmosphäre – dein Kind spürt, wenn du ungeduldig bist. Wenn du Stress oder Unruhe fühlst, dann sprich darüber. Sag deinem Kind aber, dass es ganz allein deine Ungeduld ist und dass du gerade versuchst damit klar zu kommen.
  • Achte darauf, dass dein Kind alle nötigen Schritte für die Aufgabe vom Anfang bis zum Ende (auch dem wegräumen) macht. Das hilft deinem Kind, sich allmählich selbst zu strukturieren.
  • Gib deinem Kind nur jene Hinweise die es braucht, um selbst die Antwort für eine Aufgabe zu finden. So wird es die Erfahrung machen, es selbst geschafft zu haben. Das stärkt sein Selbstvertrauen.
  • Und wenn du die geschafften Schritte mit anerkennenden Worten oder Blicken beantwortest, dann tust du auch etwas für das Selbstwertgefühl deines Kindes.

Am Ende wirst du mit einem stolzen, zufriedenen Blick von deinem Kind für all die Mühe belohnt werden. Und eines Tages wird es grosse Herausforderungen auch allein schaffen. Darüber kannst du dich dann freuen!

Hast du gerade ein Thema das dir unter den Fingern brennt? Mein nächster Artikel könnte dazu Ideen und Inspiration liefern. Ich freue mich auf deinen Kommentar!