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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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6 Tipps, wie du Ereignis-Aufregung reduzierst.

Wenn ich an Ostern denke, so erinnere ich mich auch an die Aufregungs-Stimmung unseres Sohnes. Wochenlang vor dem Ostersonntag, erreichte seine Anspannung den oberen roten Bereich. Mit „wann kommt er endlich? Was wird er mir wohl bringen? Wie lange dauert es noch? Wird er mir diesen oder jenen Wunsch erfüllen? Was wenn er etwas ganz anderes bringt?“ stand er morgens auf und ging abends damit schlafen. Alle anderen Pflichten und Aufgaben wie z.B. Körperpflege, Ordnung, Hausaufgaben und auch schlafen und essen waren noch schwieriger als sonst zu bewältigen. Es war als wäre sein innerer Ordnungshüter vorübergehend gänzlich ausgezogen.

Wie leicht rutschte mir dann schon ziemlich genervt, auch ein Satz wie dieser über die Lippen: „Wenn das nicht klappt, dann kommt er eben gar nicht.“ Natürlich entging mir nicht, wie kontraproduktiv so eine Drohung war. Denn zur Aufregung gesellte sich dann zu allem Überfluss auch noch die Wut.

Oft habe ich dann auch überlegt: Sollen wir ihm in einer ruhigen Minute sagen, dass es keinen Osterhasen gibt? Denn irgendwann muss dieses hübsche Märchen ohnehin aufgedeckt werden. Also, den Osterhasen abschaffen? Doch dann überlegte ich, dass ja nicht allein diese Fantasiefigur das Erregungsniveau unseres Sohnes antrieb, sondern auch das ganze Drumherum. Wie zum Beispiel das Eier bemalen, Brot backen, die zu erwarteten Naschereien, die Überraschung, das Eier suchen… Also der Feiertag mit dem gesamten Familienritual, der immer als ein besonderer Tag aus den übrigen herausragte. Oder den ganzen Feiertag streichen, mitsamt dem ganzen Brimborium? Würde sich das lohnen?

Wenn er dann endlich da war, der Ostersonntag, dann war es ja wieder entspannt und sehr gemütlich. Und die Abschaffung des Osterhasen hätte ja auch bedeutet, die Geburtstage, Weihnachten, Urlaube und Ausflüge ebenfalls zu streichen. Denn diese überbordende Aufregung, war ja auch bei allen anderen freudigen Ereignissen Vorbote für solche Anlässe. Unser Sohn war regelmäßig wie elektrisiert in Erwartung dieser Ereignisse. Kennst du das auch?

Heute ist mir klar, dass es Kinder gibt, die sich auch in Erwartung schöner Erlebnisse in ihrem Gefühlsleben verheddern. Und deshalb brauchen sie lediglich etwas Hilfe, um sowohl mit ihrem Alltag als auch mit ihrem Gefühlscocktail fertig zu werden.

Hier ist meine Notfallapotheke dazu, die du auch in Erwartung aller anderen höheren Feiertage nutzen kannst:

  • Bestätige das, was du siehst „Ja ich sehe wie aufgeregt du bist“ oder „Du kannst es kaum mehr aushalten vor Aufregung, stimmts?“ Mit der Anerkennung der Aufregung, zeigst du deinem Kind, dass es damit nicht allein ist und dein einfühlendes Verständnis hilft ihm seine innere Balance wieder zu finden.
  • Erzähle ihm bei guter Gelegenheit eine Begebenheit, wo du selbst furchtbar aufgeregt warst. Wie sich das für dich angefühlt hat und wie du dein Gleichgewicht wieder gefunden hast (oder auch nicht). Sag dabei ruhig die nackte Wahrheit. Oder dass es auch heute noch immer Situationen gibt wo du vor lauter Freude den Kopf verlierst. Sag deinem Kind wie du damit fertig wirst. Vielleicht ja mit den nachfolgenden Punkten:
  • Atmen – atme mit deinem Kind aus. Nimm gerne deine Hände und Schultern als visuelle Unterstützung, indem du die Hände im Ausatmen vor deinem Körper vom Brustkorb zum Becken führst. So kann oft schon nach ein paar Atemzügen etwas Entspannung einkehren.
  • Mach einen Spaziergang mit deinem Kind. Oder wie es sonst draußen gerne in Bewegung kommt. Denn in der Bewegung reduziert es seine Unruhe und kann sich anschließend besser entspannen.
  • Sprich mit deinem Kind über seine Erwartungen zum bevorstehenden Ereignis. Damit hilfst du ihm seine inneren Gedanken und Bilder zu ordnen.
  • Und, bleib gelassen, auch wenn vieles noch schlechter funktioniert als sonst. Bedenke, dass dein Kind (auch wenn es über dieses Alter schon hinausgewachsen scheint) in einer Art Notprogramm funktioniert. Hab Geduld und gib ihm Schritt für Schritt Anleitungen für das was täglich getan werden muss.

Manche Kinder brauchen eben viel mehr Zeit, Gelegenheiten und Unterstützung, um mit der eigenen Gefühlswelt klar zu kommen. Wenn du dein Kind darin wieder erkennst, musst du also weder Ostern, noch Weihnachten oder sonstige Feiertage abschaffen 😉

In diesem Sinne wünsche ich dir ein fröhliches Eiersuchen und ein gemütliches Osterfest.

Und schreib mir gern, wie du über den Osterhasen denkst – ich bin gespannt!