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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Muss ich mit meinem Kind darüber reden?

Oder ein Buch kaufen? Erklären? Vergleiche finden? Ist es für dein Kind hilfreich zu wissen, was es hat? Kennt es vielleicht noch andere Kinder, die sich als anders empfinden?

Wenn ich zurückdenke, dann muss ich zugeben, dass ich diese Fragen, zumindest teilweise, mit ja beantwortet habe. Jetzt denke ich, die Absicht zum Aufklären war auch da, um die Probleme unseres Sohnes selbst besser zu verstehen. Denn was normalerweise passiert, wenn man ein Thema in den Raum stellt ist ja, dass auch Fragen des anderen auftauchen oder unterschiedliche Perspektiven. Und so nähert man sich immer besser an das Verständnis einer Sache an. Nicht wahr?

Was ich aber in meinem Eifer übersehen hatte, hilft das meinem Kind? Kann es, durch das Verständnis eines Etiketts sich selbst besser verstehen? Kann es daraus für zukünftige Situationen einen Gewinn ziehen? Und kann es durch dieses Verständnis einfach sein Verhalten ändern?

Vielleicht überrascht es dich jetzt nicht, wenn ich dir erzähle wie unser Sohn auf meinen Aufklärungsversuch reagiert hat. Er sah mich direkt mit großen Augen an. Auf seiner Stirn wurde ein dickes Fragezeichen sichtbar und dann drückte er mit „hääää…?“ seine Ratlosigkeit und Verwirrung aus. Ich habe es zu kompliziert erklärt, meinst du? Ja kann sein, möglich. Aber wir haben danach noch des öfteren darüber gesprochen. Und weißt du was dann passiert ist? Immer wenn es für unseren Sohn galt sich einer größeren Herausforderung zu stellen, bekam ich als Antwort: Ich bin ja ein ….. und deshalb kann ich nicht ….

Ich kann dir verraten, es hat furchtbar lange gedauert bis diese Barriere wieder abgeräumt war.

Was ich damals mit meinen Erklärungsversuchen nicht sehen konnte war, dass unser Sohn in einigen Bereichen zwar den superschnellen Durchblick hatte. In anderen aber nicht. Und die Probleme tauchten ja gerade im letzteren Umfeld auf. Im sozialen Austausch zum Beispiel. Oder in seiner Art die Welt wahrzunehmen und auch in seinem Körpergefühl und Bewegungsempfinden.

Wenn ich nun auf die letzten beiden Punkte sehe, dann erkenne ich, wieviel Mühe es mir gemacht hat, nur mal seine Entwicklung auf der körperlichen Ebene zu verstehen. Ich habe im Internet recherchiert, Bücher dazu gelesen, Kurse besucht, Videos gesehen, andere Kinder und natürlich unseren Sohn beobachtet. Und ich habe versucht mir vorzustellen, wie es denn so wäre im Körper unseres Sohnes zuhause zu sein. Alles das hat mich brennend interessiert, denn ich wollte ja unseren Sohn besser verstehen. Und deshalb habe ich auf diesen Gebieten jede Menge Wissen, und auch Erfahrungen gesammelt.

Trotz allem aber, wird es mir niemals vollständig gelingen, so zu fühlen und zu erleben wie es unser Sohn für sich tut. Weil es ja mein Körper ist und ich nur insoweit imstande bin mir etwas vorzustellen, als ich das in meiner Art der Wahrnehmung empfinden kann. Gegenüber unserem Sohn, hatte ich aber in den Möglichkeiten des Nachempfindens etwas Wichtiges voraus. Und das scheint mir jetzt geradezu lächerlich einfach. In ungezählten Situationen konnte ich mit meinem Körper weit zahlreichere Erfahrungen sammeln, als unser Sohn sie mit etwa acht Jahren hatte. Denn was ich nie auch nur ansatzweise erlebt, gespürt und kennen gelernt habe, kann ich mir auch schlecht vorstellen. Oder?

So hatte unser Sohn auch große Schwierigkeiten sich etwas vorzustellen, wozu er noch keine oder unzureichende Erfahrungen hatte. Und was noch hinzukommt, sehe ich gerade jetzt, wenn ich über meine Aufklärungsidee schreibe: ICH wollte sehr gerne wissen und verstehen, was hinter dem ungewöhnlichen Verhalten unseres Sohnes steckt. Und ich schätze das willst du wohl auch. Aber wollen unsere Kinder unbedingt wissen, warum sie sich seltsam verhalten? Nein, sie wollen sich verbunden fühlen und stetig in ihrem eigenen Tempo und ihrer individuellen Reihenfolge der Schritte über sich hinauswachsen. Sie wollen ihrer Neugier folgen und sich mit uns an ihren Erfolgen freuen. Nicht wahr?

Denn ein Kind will nicht wissen: so und so bist du! Es will spüren, Mama oder Papa sieht etwas in mir, das ich noch nicht begreifen kann. Aber es ist mehr, als ich jetzt bin oder kann. Und es fühlt sich gut und sicher an, soviel liebevolle Zuversicht zu spüren, also kann ich mich getrost dorthin, auf unbekanntes Gebiet wagen.

Und deshalb glaube ich wirklich, wir können mit dem Verstand vieles auf den Punkt bringen. Aber erst nachdem wir es wirklich und umfassend begriffen haben. Braucht also dein Kind so eine Erklärung? Heute würde ich sagen „Nein“: wenn ICH gerne aufklären will. „Ja“: wenn dein Kind danach fragt.

Im Falle von Ja, würde ich aber zuerst mal nachhaken mit Fragen wie zum Beispiel: Wie kommst du jetzt darauf? Warum ist das wichtig für dich? Wie meinst du das genau? Wie denkst denn du darüber? Was glaubst du? usw.

Denn damit erfährst du etwas über die dahinter liegenden Gedanken oder Geschichten deines Kindes. So eine ernstgemeinte Frage zeigt deinem Kind, dass du an seinen Bedenken interessiert bist. Und im Vergleich zum „Aufklärungsgespräch“, das nur zu leicht vornehmlich im Kopf stattfindet, spürt dein Kind so dein offenes Herz. Es fühlt sich wahrgenommen und verstanden. Und aus dem Austausch mit dir, versteht es sich auch selbst etwas besser.

Das ist meine persönliche Meinung zum Thema Aufklärung. Hast du ähnliche Erfahrungen, wie hältst du es mit diesem Thema? Schreib mir doch in den Kommentar.

Bist du gerade mit einem anderen Problem beschäftigt? Wünscht du dir Ideen oder Inspiration? Dann schreib mir gerne, der nächste Artikel könnte genau für dich sein 😉