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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Unter Gleichaltrigen lernen?

Ja, so einfach wie in der Überschrift ist es für manche Kinder nicht.

Wie oft hat man mir nahegelegt, dass es für unseren Sohn so wichtig ist, viel Zeit unter Gleichaltrigen zu verbringen. Damit sollte er jene sozialen Kompetenzen erlernen, mit denen er Schwierigkeiten hatte. Das Erkennen und Einschätzen von Gefühlen, Befindlichkeiten, Vorhaben oder Atmosphäre zum Beispiel.

Viel zu lange habe ich darauf vertraut.

Nicht wissend, dass es eben Kinder gibt, welche die dazu nötigen Signale wie zB. Mimik, Gestik, Worte mit doppelter Bedeutung – also all die unausgesprochenen Hinweise was zwischen den Zeilen gemeint ist – nur schwer oder gar nicht entziffern können.

Stell Dir vor, jemand verzieht die Mundwinkel und du denkst: „aha, angewidert“. In Wirklichkeit ist aber ein breites Lächeln gemeint. Oder jemand reisst in freudiger Überraschung die Augen auf und deine erste Idee ist: „Angst“.

Das Problem mit der Wahrnehmung

Jetzt wirst Du vielleicht einwenden, dass zur Interpretation von Gesichtsausdrücken ja auch noch andere Anzeichen als Augen oder Mund gehören, um das Bild vollständig zu machen. Ja stimmt, doch zum einen halten Kinder mit dieser Wahrnehmung nur sehr kurz, selten oder gar nicht Blickkontakt oder sie schauen eher in sich hinein oder durch Dich hindurch. Und zum anderen achten sie oft mehr auf die Details als auf den Gesamteindruck. Mehr darüber findest Du im ebook Blickkontakt, gleich unter diesem Artikel.

Noch ein praktisches Beispiel aus dem Leben: Zur Physikprüfung hat der zuständige Lehrer unserem Sohn in einem Buch gezeigt, was er zum positiven Abschluss wissen muss. Mit etwas mehr Nachdruck wies er auf das Kapitel „Atomkraftwerke“ hin. Beim Hinausgehen warf mir unser Junior ein wütendes „der ist FÜR Atomkraftwerke“ hin.
Mir war sofort klar, dass er damit einem Missverständnis aufgesessen war. Denn der Lehrer war einer dieser eher sanftmütigen, coolen Typen, mit langen Haaren, Birkenstock-Pantoffeln und Öko Klamotten. Nun, dieser Irrtum  liess sich schnell aufklären.

Aber Du kannst Dir jetzt leicht vorstellen, wie solche Fehleinschätzungen unzählige Konflikte heraufbeschwören können.

Was mich betrifft, so konnte ich einfach nicht verstehen wie mein sonst so intelligentes Kind, das die Zusammenhänge der übrigen Welt so schnell begreift, solche Schwierigkeiten im sozialen Bereich hatte.

Wenn Dein Kind nicht fühlt, was Du fühlst.

Erst Joachim Bauer „Warum ich fühle, was Du fühlst“ hat mit seinem Buch über die Spiegelnervenzellen etwas Licht in das Problem gebracht. Dass es eben Menschen gibt, die anders wahrnehmen. Die Gesichter zwar sehen können, aber die zuständigen Spiegelneuronen, zum Erkennen von Mimik und Gestik nur unzureichend aktiviert werden.

Und plötzlich sah ich das Bild, das unser Sohn im Alter von 8 Jahren gezeichnet hatte, in einem ganz anderen Licht. Ein Porträt mit Augenbrauen, Augen, Nase, Mund, Ohren und Haaren. Aber das ganze Gesicht war ausdruckslos, Augen und Mund undeutlich verwischt. Die meisten Kinder kennen und zeichnen in diesem Alter bereits eine Vielzahl von Gefühlsausdrücken.

Wenn Du nun bedenkst, dass in einer Gruppe von Gleichaltrigen eine Unzahl von nonverbalen (nichtsprachlichen) Signalen und Gesten ausgetauscht werden, kannst Du leicht nachvollziehen, dass der Stresslevel eines solchen Kindes ordentlich strapaziert wird. Und es ist wirklich kein Wunder, dass es nach Kindergarten oder Schule erst mal eine Pause braucht.

Wie dein Kind von Dir profitiert.

Da man unter Stress weit weniger gut lernt (auch soziale Kompetenzen), als in weitgehend vertrauter, „sicherer“ Umgebung, wirst Du jetzt erkennen, dass unter diesen Umständen der beste Ort zu lernen, zu Hause ist. Und das liebste Vorbild natürlich Du bist. Warum? Weil erstens genau Du der Mensch bist, den Dein Kind am besten kennt und zweitens weil es zwischen Dir und Deinem Kind eine emotionale Verbindung namens Liebe gibt. Deshalb bist Du sein Anker für die noch rätselhafte Welt da draussen.

Aus Erfahrung kann ich sagen: Die Grundmauern für soziale Kompetenzen, kann auch ein besonderes Kind am besten zu Hause mit Dir erfahren. Alle Kontakte ausserhalb der Familie, auch die unter Kindern sind ein wunderbarer Übungsplatz zum festigen und erweitern. Wenn aber diese Grundlagen fehlen oder nur teilweise entwickelt sind, nützt auch die beste Gruppe von Gleichaltrigen nicht.

Mein Tipp für deinen Alltag:

Nütze die vielen Beziehungsmomente in Deinem Alltag für folgende Unterstützung. Achte vor allem auf Blickkontakt und gib Deinem Kind auch genügend Zeit deinen Blick zu erwidern. Wenn Du dann deine Mimik und Gestik verstärkst, grösser machst und die dazu passenden Worte findest (wie zb. „Ich bin gerade so froh, sauer, enttäuscht, müde, aufgeregt usw., benenne also, wie es gerade für Dich oder Dein Kind ist) wird für Dein Kind klarer, was gemeint ist und es sammelt gleichzeitig ein Repertoire an Ausdrucksmustern für sich und die Welt draussen.

Lass mich wissen, ob dieser Artikel für Dich hilfreich war. Sehr gerne beantworte ich auch Deine Fragen dazu. Ich freue mich auf Dich.