AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Welche Diagnose passt für mein Kind?

Bist du gerade auf der Suche nach einer Diagnose für dein Kind? Wahrscheinlich hast du dann auch schon einen Verdacht und weißt nach welchem Begriff du im Internet suchen musst. Und wenn du dann die Symptomenliste durchgehst, dann wirst du bei einigen Punkten nicken und mit „Oh ja, kenne ich…“ bestätigen. In anderen Punkten bist du dir nicht sicher, weil du noch nicht bewusst darauf geachtet hast, du nicht weißt wie man das erkennt oder weil das Symptom ausserhalb deiner „Reichweite“ auftritt. Und wieder andere Merkmale treffen einfach nicht zu. Und am Ende bist du so klug als wie zuvor. Kennst du das?

Von anderen Eltern weiß ich, dass es mitunter ein langer Leidensweg sein kann, bis man endlich erkannt hat, was mit dem Kind los ist. Denn dein Kind sieht ganz normal aus und verhält sich in einigen Situationen auch so wie man erwarten könnte. Wenn da nicht diese absolut herausfordernden und anstrengenden Phasen zu anderen Gelegenheiten wären, in welchen du keine Ahnung mehr hast, wie du dein Kind verstehen kannst.

Oft taucht die Frage nach einer Diagnose nach massiven Problemen im Kindergarten oder in der Schule auf. Und sehr schnell steht man dann unter Druck, eine passende Antwort auf das auffällige Verhalten des Kindes zu finden. Wie du aber in diversen Checklisten für AD(H)S, Asperger, Mutismus usw., schon festgestellt hast, gibt es häufig kein eindeutiges Ja oder Nein.

Wir haben für unseren Sohn insgesamt vier ausführliche, professionelle Gutachten eingeholt, weil wir genau an diesem Punkt immer wieder hängen geblieben sind. Ich gebe auch gern zu, dass die Befunde etwas Licht in die entwickelten Fähigkeiten und Kompetenzlücken unseres Sohnes gebracht haben. Aber ich kann mich auch erinnern, wie die Auswertung der Testergebnisse weitere, schwerwiegende Fragen aufgeworfen haben. Was zum Beispiel bedeutet das im Zusammenhang mit Schule und Lernen, und vor allem, wie kann ich meinem Kind helfen?

Genauer gesagt, was kann ich tun, wenn ich jetzt weiß, dass das Kind mit 8 Jahren in einem oder mehreren Bereichen überdurchschnittlich begabt ist, aber in anderen Kompetenzen auf dem Level eines 3-jährigen hängengeblieben ist. Und sind die Probleme meines Kindes leichter begreiflich, wenn ich einen übergeordneten Namen dafür habe? Oder wird es nicht doch klarer, wenn ich eine detaillierte Übersicht habe, was mein Kind gut kann, und wobei es noch Entwicklungsbedarf hat? Braucht es dafür in jedem Fall eine Schublade mit einem Etikett, das ohnehin nur teilweise zutrifft?

Du merkst schon, ich bin jemand die das System, die Praxis von Zuschreibungen hinterfragt. Aus meiner Perspektive sehe ich sowohl eindeutige Diagnosen, als auch sehr viele Abstufungen zwischen Schwarz und Weiß. Ich glaube die Entwicklung von Kindern ist schon an sich sehr verschieden und bei manchen Kindern noch auffälliger unterschiedlich. Wofür das eine Kind sehr viel mehr Zeit und Übung braucht, hat ein anderes Kind in null Komma nix die Lösung.

Was das Verstehen und Begleiten von Entwicklungsunterschieden nicht einfacher macht, sind die verschiedenen Bereiche von Fähigkeiten und Kompetenzen. Wie z.B. Motorik, Sprache, Koordination, Soziales, Wahrnehmung, Verarbeitung, Auffassungsgabe, Wissen, Aufmerksamkeit, Handlungsplanung usw. Für uns als Eltern zum Teil offensichtlich oder auch schwierig zu einzuschätzen. Um diese Bereiche gut zu beurteilen, können wir Fachleute nutzen.

Doch darüber hinaus bleibt dann die Frage, wie kann ich die Informationen über die Entwicklung meines Kindes in nützliche, alltagstaugliche Unterstützung für mein Kind verwandeln? In den Empfehlungen für unseren Sohn stand zum Beispiel: Schulische Förderung der Stärken im Sprachbereich und Erarbeitung von Kompensationsstrategien für das Schreiben – um nur einmal zwei Punkte zu nennen.

Nun, zum einen haben wir als Eltern oft wenig Einfluss auf das System Schule und zum anderen fehlte fast immer eine brauchbare Unterstützungs-Empfehlung für den Familienalltag. Denn was uns z.B. meistens ans Herz gelegt wurde, war Erziehung im Sinne von Verhaltenstraining mit Belohnung und Konsequenzen (Strafen). Und da ich diesen Weg bereits bis an die Grenzen der Belastbarkeit unserer Beziehung gegangen war und keinen dauerhaften Erfolg sehen konnte, waren diese Hinweise für uns in der Praxis wenig hilfreich. Denn ich wollte ja nicht weiter das Vertrauen und die Beziehung zu unserem Sohn beschädigen, sondern ihm passende Möglichkeiten bieten, um die „Täler“ in seinem Entwicklungsprofil aufzufüllen. Ziel war für mich immer, ihn in seinem Wachsen so zu unterstützen, dass er in seine eigene Kraft kommen kann. Auch das ist mir nicht immer gelungen, aber immer öfters 😉

Wenn ich bedenke, dass immer mehr Kinder als auffällig wahrgenommen und in Diagnosen gedrängt werden, dann frage ich mich auch, was das langfristig mit betroffenen Kindern macht. Welche Chancen haben sie mit diesem „Etikett“ in ihrem späteren Leben? Wird die Zuschreibung ihnen oder ihrer Entwicklung gerecht? Ist eine Einteilung nötig, um durch dieses Schulsystem zu kommen? Hat ein Kind es dadurch leichter?

Ich weiß es nicht. Und ich glaube es gibt keine Pauschalantworten auf diese Fragen. Aber ich plädiere für den individuellen Blick auf jedes Kind. Sowohl auf die Stärken als auch auf die Schwächen und natürlich die Berücksichtigung derselben. Denn wenn ich weiß und verstanden habe, womit mein Kind genau Probleme hat, dann habe ich vielleicht auch schon Ideen, wie ich es im Wachsen unterstützen kann.

So könnte auch ein auffälliges Kind dort Hilfe erhalten, wo es mehr Beistand benötigt und in seinen überdurchschnittlichen Kompetenzen die Flügel ausbreiten. Und so schließt das eine (Entwicklungsdefizite) das andere (Hochbegabung), oder umgekehrt, meiner Meinung nach deshalb nicht aus. Und vielleicht könnten wir Kinder dann sehen wie sie sind – nämlich verschieden.

Wie denkst du darüber? Für welche Frage wünschst du dir DIE Lösung oder Erleuchtung? Schreib mir doch in den Kommentar.

Brauchst du Ideen für den Alltag mit deinem Kind, oder willst du andere Fragen klären? Dann nutze das Online-Impulsgespräch mit mir. Schick mir einfach eine Email (an:riki@biglittlesteps.at), dann erhältst du umgehend die nötigen Informationen dazu.