AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

Klicke hier zum

3 Probleme mit den Aufgaben und Tipps zum Gelingen.

Ich stand im Geschäft, umgeben von schönem Holzspielzeug und suchte einen Rechenrahmen mit Kugeln zum besseren „begreifen“ der Rechenaufgaben. Unser Sohn war sechs Jahre alt und die Hausaufgaben hatten sich schon in den ersten drei Wochen zur absoluten Stresszone entwickelt.

Für unseren Sohn war es schon einmal schwierig, überhaupt mal anzufangen. Und wenn er endlich am Tisch saß und schließlich alles Nötige für die Aufgaben vor ihm lag, war er durch zahlreiche Kleinigkeiten abgelenkt. Durch die Katze, die auf dem Fensterbrett erschien, den Hund der unter dem Tisch gerade seine Pfoten leckte, eine Fliege die herumsummte, den Geschirrspüler der den nächsten Waschgang startete, ein Auto das gerade weit draußen vorbei fuhr und so weiter. Für mich war das sehr bald furchtbar anstrengend, weil ich ihn immer wieder zurückholen mußte. Gefühlt, mehrmals pro Minute. Das war für uns beide alles andere als lustig und artete auch bald in eine adrenalinschwangere Stimmung aus. Kennst du das auch?

Anfangs dachte ich noch, es läge vielleicht am Rechnen, oder dem einigermaßen aneinanderreihen von Buchstaben. Natürlich verdächtigte ich auch die Fähigkeit zur Konzentration. Andererseits aber, hatte ich auch die Vorstellung, dass er einfach keine Lust hat die blöden Hausaufgaben zu erledigen und den Nachmittag lieber mit Spielen verbringen würde. Deshalb dachte ich auch, er müsste erst lernen, dass es nun am Nachmittag auch Pflichten gibt. Siehst du mich jetzt lachen? Wie dumm von mir! Denn heute weiß ich, es gibt immer einen Grund, wenn ein Kind nicht lernen will oder besser, kann.

Natürlich fiel mir auch auf wie schwierig die scheinbar einfachen Rechenaufgaben für ihn waren. Und deshalb stand ich damals im Spielwarengeschäft mit der Idee: ich will etwas finden, mit dem man die Rechenvorgänge leichter begreifen kann. Seit Schulbeginn waren erst wenige Wochen vergangen, aber es regnete bereits Beschwerden von der Lehrerin über unseren Sohn. Dass er nicht mitmacht, nicht aufpasst, herumalbert und nicht schreiben will.

Ich konnte mir keinen Reim darauf machen, denn so kannte ich unser Kind bis dahin nicht. Deshalb wollte ich ihm auch gerne dabei helfen, wenigstens die Hausaufgaben einigermaßen verlässlich abzugeben. Sehr bald haben diese nach Hause gebrachten Aufgaben den gesamten Nachmittag zur Tortur werden lassen. Für mich selbst und für unseren Sohn erst recht.

Das erzählte ich der Spielwarenverkäuferin und sie empfahl mir eine ihr bekannte Psychologin zur Abklärung. Diese Begutachtung war nur der erste Schritt auf der langen Reise zum Verständnis der Entwicklung unseres Sohnes. Und viele weitere Schritte sollten noch folgen.

Bist du auch gerade an so einem Punkt, dass du dein Kind rund um Schule und Hausaufgaben besser verstehen willst? Oder auf der Suche nach Hinweisen, wie du deinem Kind besser helfen kannst? Hier habe ich aus meiner Erfahrung drei Problempunkte und Ideen zur Unterstützung zusammengefasst:

Schreiben

Wenn dein Kind noch dabei ist seine Handmotorik zu entwickeln, so kannst du das oft schon an der Stifthaltung erkennen. Wenn du siehst, wie du im Vergleich zu deinem Kind einen Stift hältst, dann stellst du vielleicht fest, dass die Kinderhand sehr angespannt ist, dass es die Buchstaben fest ins Papier graviert und die Schrift krakelig ist.

+ Glaube mir (ich war viel zu lange in diesem Irrtum gefangen) vermehrte Schreibübungen, helfen hier nicht weiter. Denn das Kind ist ohnehin schon mit den geforderten Aufgaben über die Maßen beansprucht. Aus der Gehirnforschung wissen wir ja, dass Lernen auf allen Ebenen nur dann die Neugier beflügelt, wenn die Anforderung nicht zur Überforderung wird. Denn zum Erfolg brauchen wir Erfolgserlebnisse, nicht wahr?

Sorge in diesem Fall lieber für andere Lern-Möglichkeiten, an welchen dein Kind Freude hat. Zum Beispiel basteln, malen, schneiden, backen, rühren, kneten, falten – kurz, alles womit sich Hände vielfältig beschäftigen können.

Rechnen

Bei unserem Sohn waren, wie schon erwähnt, auch die Rechenaufgaben ein großes Problem. Obwohl er bereits den Zahlenteufel (von Hans Magnus Enzensberger) liebte und sich für Primzahlen interessierte, hatte er große Schwierigkeiten bei scheinbar einfachen Rechenübungen. Heute weiß ich, dass sein Verständnis, oder besser, sein Gefühl für Mengen, Zeit und Maße noch stark in Entwicklung war.

+ Hier meine Tipps dazu: Ermögliche deinem Kind, anstatt zusätzlicher Rechenübungen, Erfahrungen mit Mengen und Maßen. Abwiegen, teilen und messen beim Kochen und Backen sind zum Beispiel eine gute Idee. Das ist eine sehr ganzheitliche, sinnliche Erfahrung und macht Kindern (auch Jungs) meist auch viel Spaß.

Ausserdem kannst du deinem Kind Anschauungsmaterial zum Rechnen zur Verfügung stellen. Kegel, Knöpfe, Bohnen, Spielsteine… was auch immer deinem Kind gefällt. Lass dein Kind gerne selbst aussuchen, womit es rechnen will. Denn das nährt sein Interesse und die Motivation. Und hab dabei keine Sorge, dass das Material zur Dauerkrücke wird, denn dein Kind wird es dich merken lassen, wenn es nicht mehr gebraucht wird.

Wenn du siehst, dass dein Kind wirklich Stress hat mit den Aufgaben, dann lass es nicht alles auf einmal machen. Zeig ihm die Möglichkeit, die Herausforderung in zwei, drei Etappen zu bewältigen, so dass es mit weniger Stresshormonen von Erfolg zu Erfolg springen kann.

Ausdauer

Ich hatte oft und lange den Denkfehler: „Mach die Aufgabe, dann hast du es hinter dir. Mach es schnell jetzt, dann können wir den Rest des Tages etwas Netteres machen.“ Ja wirklich! Zu dumm was man so an Sätzen aus der eigenen Kindheit mitbringt. Ich wusste nicht, dass Ausdauer etwas ist, das man in der Lösung von selbstgesteuerten Aufgabenstellungen lernt. Ich bin mit der Erfahrung aufgewachsen, du musst dich halt besser konzentrieren und ein wenig anstrengen (ja, ja das Adjektiv ist „wenig“), dann geht das schon.

Damit habe ich den Blick verloren, wie groß die Anstrengung nicht nur damals für mich war, sondern auch später, als ich auf unseren Sohn sah. Ich konnte nicht sehen, wie sehr er schon bemüht war sich anzustrengen. Mit solchen Sätzen in der Datenbank, wundert man sich später häufig darüber, dass man unangenehme Aufgaben so gerne hinausschiebt. Wer reaktiviert schon gerne unangenehme Gefühle, nicht wahr?

+ Deshalb, hilf deinem Kind die Aufgabe in kleinere Portionen aufzuteilen. Denn weniger ist oft mehr. (Und das ist jetzt ketzerisch, aber wenn sich dein Kind wirklich schwer tut, dann erwarte nur die Aufgabenmenge von ihm, welche es auch schaffen kann und pfeif auf die schlechtere Note. Denn um schnell voran zu kommen, muss man mitunter langsam gehen.)

Lass dein Kind dazwischen Bewegung machen oder ein Glas Wasser trinken, malen oder zeichnen. Alles was Freude macht, ausser dem Bildschirmvergnügen, ist nützlich. Denn letzteres holt das Gehirn zu weit vom Arbeitsmodus weg.

Es gibt ja noch viele weitere Schwierigkeiten die mit dem Lernen und der Hausaufgabe auftauchen können. Davon könnte man ja tatsächlich ein ganzes Buch füllen. Deshalb schreib mit doch bitte in den Kommentar, worüber du hier noch gerne lesen willst.