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Wie aus deinen Schuldgefühlen eine Ruine wird.

Heute habe ich zum ich-weiss-nicht-wievielten-Mal darüber gehört, wofür man sich als Mama nicht alles schuldig fühlen kann. Vielleicht kommt dir aus dieser Liste von Schuldbekenntnissen etwas bekannt vor?

  • Weil ich mein Kind angeschrieen habe
  • Weil ich nicht erkannt habe, dass das Kind völlig überfordert war
  • Weil ich irgendetwas Blödes gesagt habe, das ich niemals zu meinem Kind sagen wollte
  • Weil ich nicht genügend Zeit für mein Kind habe
  • Weil ich etwas vergessen habe, das für mein Kind wichtig war
  • Weil ich nicht richtig zugehört habe
  • Weil ich meine persönliche Grenze nicht erkannt und nicht rechtzeitig Schluss-Aus-Ende-Nein gesagt habe
  • Weil sich das Kind allein trösten musste
  • Weil mein Kind so anders ist und ich sicher Fehler gemacht habe
  • Weil alle sagen, dass ich eine schlechte Mutter bin
  • Weil ich sowieso dauernd etwas falsch mache…

Du kennst sicher einige dieser Gründe für Schuldgefühle und wir könnten die Liste bis ins aschgraue weiterführen, richtig?

Glaub ja nicht, dass ich im Laufe meines Mama-Seins nicht auch solche Schuld-Berge angehäuft habe. Vor wenigen Jahren noch, hättest du vom Gipfel dieses Berges auf den Mount Everest sehen können. Jetzt ist von diesem Berg nur mehr eine Ruine übrig – ein Haufen Steine.

Nein, es ist noch nicht ganz weg, aber das ist schon gut so. Denn die paar Steine erinnern mich daran, immer wieder auf dem Weg zu bleiben. Im Kontakt mit mir, mit meinem Sohn, unserer Beziehung und unseren Bedürfnissen. Wie mir das gelungen ist?

Ich habe meine Aufmerksamkeit wieder auch auf das gelenkt, was gelingt. Nicht bloss, was unserem Sohn gelingt – das ist auch schön – sondern was ich zum Gelingen des Gelingens beigetragen habe.

* Wenn ich zum Beispiel einen Wutanfall ausgehalten habe solange er gedauert hat, ohne selbst wütend zu werden. Wodurch unser Sohn gelernt hat, dass man so einen Gefühlssturm gut überleben kann.

* Wenn ich ihm für eine Aufregung Worte gegeben habe. Wodurch er gelernt hat, dass es zu Emotionen und Gefühlen viele Abstufungen gibt und allmählich selbst ausdrücken konnte was ihn gerade bewegt.

* Wenn ich ihn ermutigt habe einen kleinen Schritt zu machen und er dadurch entdeckt hat, dass man so über sich hinauswachsen kann.

* Wenn ich ihn auf schwierige Situationen vorbereitet habe und er so erkannt hat, dass alles halb so wild ist, wenn man sich vorab ein Bild machen kann.

* Wenn ich ihn ein Problem selbst lösen ließ und er dadurch sein Selbstvertrauen gestärkt hat.

* Wenn ich standhaft „Ich“ geblieben bin und er dadurch nicht nur meine, sondern auch seine eigenen Grenzen besser kennen gelernt hat. Ach ja – und er herausfinden konnte, dass man sich auch zwei – nigen oder Kompromisse finden kann.

* Wenn ich sagen musste „Ich weiss es nicht“ und er dadurch selbst zum Suchenden und Finder geworden ist.

* Wenn ich einfach da war und er dadurch das Gefühl hatte, mit seinen Sorgen, Freuden, Zweifeln, Aufregung, Fragen usw. nicht allein zu sein.

* Wenn ich ihm einfach vertraut habe, dass er die für ihn richtige Entscheidung trifft und er dadurch erfahren hat, dass er sich selbst vertrauen kann.

* Wenn ich aufgehört habe ihn motivieren zu wollen und er so seine eigene innere Motivation wieder gefunden hat.

Auch diese Liste könnten wir fortführen und dir fallen bestimmt auch Beispiele ein, um unseren Beitrag als Mama oder Papa klar zu erkennen. Ich finde wie jedes Ding hat auch Reflexion zwei Seiten. Beide sind wichtig: zu sehen was wenig hilfreich ist aber auch erkennen wo es gut ist.

Meine Erfahrung ist, wenn man zu stark in den eigenen Fehlern hängen bleibt, geht das auf Kosten der Beziehung und des Kontakts. Zum Kind aber auch zu sich selbst.

Wie denkst du darüber?