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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Tischmanieren und 5 Tipps wie du deinem Kind hilfst

Du hast gekocht, der Tisch ist gedeckt und weil es draußen gerade kalt ist, gibt es zum Aufwärmen eine gute Suppe. Danach, Nudel mit Salat. Alle sind hungrig. Du teilst also die Suppe aus und dann passiert folgendes:

Dein Kind rührt im Teller um, dass die Flüssigkeit droht über die Ufer zu treten. „Das ist zu heiss!“ sagt es und bläst wie ein wilder Föhnsturm über den gefüllten Löffel, sodass mehr als die hälfte der ausgelöffelten Suppe – mit welcher du dir solche Mühe gemacht hast – teils im Teller und teils als Punkt-Dekor auf dem Tisch landet.

Du hilfst jetzt vielleicht mit Rühren und Blasen, weil alle anderen mit dem ersten Gang beinahe fertig sind und du dann mit den Nudeln anrücken willst.

Endlich hat die Suppe deines Kindes die passende Temperatur. Es beugt sich so tief über den Teller, dass man nicht mehr vom Haar in der Suppe sprechen kann und beginnt zu essen. Dabei umfasst es den Löffel fest mit der Faust und beginnt lautstark zu schlürfen. Teilweise rinnt deine gute Suppe über die geschlossene Faust und tropft vom Kinn abwärts auf das T-Shirt. Letzteres ist bereits Zeuge des Frühstücks und der Jause geworden.

Die ganze Zeit schon, rollst du innerlich mit den Augen und jetzt platzt es aus dir heraus: „Kannst du bitte mal anständig essen?“ Du bist mit deiner Geduld wieder mal am Ende. Denn dein Kind ist nicht drei, sondern acht Jahre alt. Kennst du das?

Langsam verstehst du das Essverhalten deines Kindes nicht. Umso weniger, als du selbst (so wie ich) beim Essen lernen ein Blitz-Gneisser warst und mit vier Jahren gekonnt mit Messer, Gabel und Löffel bearbeiten konntest, was auch immer auf deinen Teller kam.

Und deshalb kannst du dir einfach nicht vorstellen, was an einem Mindestmaß an Tischmanieren so schwierig sein kann. Vielleicht hattest du sogar schon den Gedanken, dass dein Kind dich damit provozieren will. Nein? Ich schon! Denn machst du dein Kind darauf aufmerksam, so wird es oft noch schlimmer. Nicht wahr?

Nun, was steckt viel wahrscheinlicher dahinter, wenn zivilisiert-Essen euer Dauer-Tisch-Thema ist?

Lass uns erst mal dein Kind in einer anderen Situation beobachten: Wie steht es zum Beispiel mit Schreiben oder Zeichnen?

Siehst du eine gewisse Ähnlichkeit in der Handhabung des Stiftes, mit dem Löffelgriff? Wahrscheinlich umfasst dein Kind das Schreibwerkzeug mit ähnlich festem Griff wie den Löffel und graviert mit festem Druck die Buchstaben ins Papier. Weit ab von der Leichtigkeit des Schreibflusses müht es sich ab. Von Buchstabe zu Buchstabe von Wort zu Wort. Und die so zu Papier gebrachten Schriftzüge, würden in einem Wettbewerb wohl keinen Preis erlangen. Müssen sie auch nicht.

Oder schauen wir deinem Kind doch mal im Badezimmer bei seiner Körperpflege zu. Zähneputzen zum Beispiel. Siehst du, wie es die Zahnbürste handhabt und welche Mühe es mit den kleinen Bewegungen beim Zähneputzen hat?

Mit Haarbürste und Kamm wird es ähnlich sein. Und wahrscheinlich hilfst du da und dort noch nach. Oder?

Und jetzt erkennst du schon, es ist nicht Absicht. Dein Kind will dich weder ärgern, noch provozieren. Sondern es hat mit der Entwicklung seiner Handmotorik und vielleicht auch der Hand-Auge-Koordination noch einen weiten, steinigen Weg vor sich.

Fass dich also in Geduld und entspann dich. Denn es bleibt nicht so. Die Entwicklung der Motorik kann man durch Anweisung und Beanstandung nicht beschleunigen. Einen schwierigen Schritt schaffen wir am besten im entspannten Zustand, dein Kind auch. Und eines Tages wird es den kompetenten Umgang mit den Werkzeugen bei Tisch erlernt haben.

Und hier kommen meine 5 Tipps, wie du dein Kind auf diesem Weg unterstützen kannst:

  • Schluck die Kritik, die dir auf der Zunge liegt, mit dem nächsten Bissen hinunter. Denn dein Kind weiß ja schon, dass dir seine Essmanieren nicht gefallen.
  • Sag ruhig, dass es dir schwerfällt zu verstehen, warum dein Kind mit den Tafelmanieren solche Mühe hat. Weil es für dich ja so einfach scheint. Dass du dir aber Mühe gibst, seine Anstrengung zu berücksichtigen. Sag das aber nur einmal, mit offenem, warmen Herzen. Denn dein Kind ist vielleicht langsam mit seiner Motorik, dafür aber viel schneller mit seinem Verstand. Richtig?
  • Präzisiere was du haben willst. Also statt „iss anständig“ „mach es leiser, sachter, zarter, langsamer, weniger usw.“
  • Wenn dein Kind vom Tagesgeschehen auf Stress programmiert ist, dann halte außer der warmen Suppe auch dein warmes Herz bereit. Denn nichts kann dein Kind mehr entspannen, als die spürbare Nähe zu dir. Und dann wird vieles möglich, was davor so schwierig schien.
  • Und zu guter Letzt, mach ab und zu deinen Esstisch zum feinen Feiertags-Ereignis. Mit deinem Festtags-Geschirr, schön gefalteten Servietten, einer makellosen Tischdecke, Blumen und Kerzen. Einfach so (Oder als Beispiel für künftige Restaurant-Besuche). Vielleicht taufst du diese Abende dann „Genuss-Freuden“, oder findest selbst einen genießerischen Namen. Und dann freust du dich, dass du mit deinem Kind das Essen genießen kannst, auch wenn es dabei nach deinem Vorbild noch lernt.

In diesem Sinne wünsche ich dir guten Appetit und natürlich gutes Gelingen.

Schreib mir gern deine Meinung in den Kommentar oder teile deine Erfahrung. Ich freu mich drauf!