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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Wie du deinem Kind helfen kannst.

Der Tisch war abgeräumt (um mögliche Ablenkungen zu minimieren), die Schultasche stand daneben. Zum wievielten Mal rief ich jetzt nach dem Junior mit „deine Hausaufgabe wartet“, oder so ähnlich? Und zum wievielten Mal hörte ich „Gleich!“ nochmal? Letzteres nicht mehr mürrisch sondern schon gereizt. Ich spürte, dass sich diese Stimmung auch bei mir einstellte und ahnte noch nicht, dass diese Atmosphäre bald Dauergast für den Nachmittag sein würde. In diesem Moment wusste ich lediglich, wenn es nicht bald passiert, dann sagt die Sonne in absehbarer Zeit gute Nacht.

Auch wenn ich den bestimmten Ton anschlug „Mach deine Aufgaben, jetzt bitte!“, half das meistens auch nicht. Hinauszögern, Ablenkungen willkommen heissen, stöhnen, ächzen, und schließlich Schlafaugen. Der Körper unseres Sohnes sank bald wie weicher Gummi in sich zusammen. Und Anfangs dachte ich noch, so ein Theater, wegen dem bisschen Hausaufgabe. Erst später bemerkte ich, daß auch sein Gesicht immer blasser wurde.

Und die Aufgabe? Na ja… mal ging es mit viel ach und weh, mal nur teilweise oder auch gar nicht. Wenn du ein Kind hast, dessen Entwicklungsplan nicht annähernd dem Durchschnitt entspricht, dann kennst du das oder ähnliches wahrscheinlich.

Alles das hätte mir ja viel früher signalisieren können, dass etwas an diesen Hausaufgaben unseren Sohn wirklich überfordert. Dass er mit seinen sechseinhalb  Jahren zum Beispiel die Hand-Auge-Koordination eines Dreijährigen hatte. Dass die Handmotorik zum Schreiben lernen noch nicht ausreichend entwickelt war und er auch den Kraftaufwand zur Benutzung eines Stiftes nicht angemessen einsetzen konnte. Dass er ausserdem Schwierigkeiten hatte, den Zeitaufwand und die Reihenfolge der dazu nötigen Handlungen einzuschätzen.

Heute weiß ich: was zum Entwicklungsniveau einer Fähigkeit fehlt, kann man nicht auf der obersten Stufe (dem Schreiben) durch verstärktes Üben aufholen. Ganz im Gegenteil, das Kind erhält immer öfter aus den Stressregionen des Gehirns die Meldung – das ist anstrengend, das schaffe ich nicht, das lerne ich nie. Dummerweise haben gerade solche Kinder oft ein gutes Vorstellungsvermögen davon wie das Endergebnis perfekt aussehen soll und dieses „Bild“ oder Vorbild scheint völlig unerreichbar. Wenn ich jetzt rückblickend, selbst in so einer Situation wäre, die mich permanent überforderte, würde ich sehr schnell einfach aufgeben. Ehrlich. Und ich glaube jeder andere auch.

So erkenne ich mit Bedauern an, wie lange unser Sohn versucht hat, bei diesen viel zu großen Herausforderungen mitzumachen. Was ich schließlich doch irgendwann begriffen habe und was ich auch heute noch tun würde, wenn mein Kind solche Schwierigkeiten mit dem Schreiben lernen hätte:

  • Erstens, wäre mir bewusst, dass Entwicklung vor allem Zeit braucht. Und wie der Schweizer Kinderarzt Remo Largo so schön sagte: Entwicklung kann man nicht beschleunigen. (Aber man kann dem Kind den Anfängergeist erhalten und die schwierige Aufgabe etwas leichter machen)
  • Zweitens, würde ich mein Kind insofern unterstützen, indem ich ihm Möglichkeiten biete, sein aktuelles Entwicklungsniveau in einer Fähigkeit zu erweitern. Mit Freude am Tun und in der Neugier-Zone versteht sich. (Unten findest du zur Anregung eine kleine Auflistung. Da es aber ganz speziell deinem Kind Freude machen und nützen soll, findest du sicher noch eigene passende Einfälle.)
  • Und drittens, ist es eine gute Idee, die Hausaufgaben in leicht verdauliche Häppchen zu zerlegen. (Wenn du ein Instrument spielst, dann weißt du, dass es weit effektiver ist, ein schwieriges Stück in kleinen kurzen Einheiten zu üben).

Und zu guter Letzt, mit Geduld und in entspannter Atmosphäre gelingt auch Schwieriges viel besser. Im Zweifelsfall findest du vielleicht jemand, dem das besser glückt als dir.

Und hier noch die oben versprochenen „Entwicklungshilfen“ (immer vorausgesetzt, dein Kind hat Freude daran):

Für die Hand-Auge Koordination:

  • Perlen fädeln
  • Matador oder Lego bauen
  • Servietten/Origami falten
  • Seemannsknoten knüpfen
  • Weben
  • Bilder oder Buchstaben ausnähen
  • Basteln

Für die Handmotorik:

  • Knete – aber finde heraus was dein Kind mag, denn manche reagieren auch empfindlich auf Geruch oder Material – und es soll ja Spaß machen und nicht ein weiteres Alarmsystem auslösen.
  • Backen – mit Teig, den man kneten kann, wie zB. Nudel- Pizza- oder Keksteig. Viel Spaß macht auch selbst gemachter Strudelteig – bei uns gab es dann öfter mal Apfelstrudel – ohne Rosinen, aber mit Zimt und Vanille. Mmmhhhhhh…..
  • Gartenarbeit – graben, zupfen, säen, schaufeln usw.

Kurz, alles womit Hände möglichst vielfältig Beschäftigung finden.

Zum Schreiben:

  • Ermögliche deinem Kind mit groooßen Buchstaben zu schreiben. Denn große Buchstaben werden automatisch klein wenn sie sicher im Repertoire sind. Mit gut fassbaren Stiften auf großem Zeichenpapier, Tafel (gibt es auch zum aufkleben oder magnetisch) mit Kreide oder Whiteboard. Aber nur wenn dein Kind an zusätzlichem Schreiben Freude hat.

Hast du noch Fragen dazu oder andere Themen die dich gerade beschäftigen? Dann schreib mir bitte – die Antwort darauf kommt in einem der nächsten Blogartikel!