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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Humor ist, wenn man trotzdem lacht?

Dieser Artikel hat mich wirklich innere Kämpfe gekostet.

Soll ich das überhaupt schreiben? Wenn ja, wo fange ich an? Wie erzähle ich diese Geschichte? Warum ist mir dieses Thema so wichtig… und schliesslich, last but not least, ist das für Dich überhaupt interessant?

Immer wieder habe ich angefangen, verworfen und erneut begonnen. Aber nicht und nicht ist es das geworden was ich eigentlich sagen wollte. Und weisst Du warum? Weil einer meiner Glaubenssätze lautet: Sei achtsam, damit du niemand verletzt.

Nun, ich habe mich entschlossen zu meinen Werten zu stehen und diesen Artikel folgenden Fragen zu widmen:

Wie schmal ist tatsächlich der Grad zwischen mitlachen und auslachen?

Und welch merkwürdige Blüten treibt (für mich zumindest) mitunter der Humor im Netz?

Und schliesslich, welche Einfühlung braucht ein Kind um selbst Empathie zu entwickeln?

Die Geschichte ist folgende:

Vor einiger Zeit kursierte ein kurzes Video in Facebook.

Ein kleiner Junge, circa 3 Jahre alt, sitzt oben auf einer bunten Rutsche. Dieses Ding ist hoch und steil. Was man nicht sofort sieht, es sind zur Erhöhung des Spassfaktors einige Unebenheiten eingebaut.

Für den 3 jährigen ganz offensichtlich eine überraschende Herausforderung. Im kurzen Videoclip ist deutlich zu sehen, dass er diesem Problem nicht gewachsen ist. Denn sein kleiner Körper schlingert immer wieder von links nach rechts, wodurch er sich auch mehrmals den Kopf anschlägt. Schliesslich kommt er verwirrt und sprachlos unten an. Und damit von diesem Spass auch andere etwas haben, steht unten ein Erwachsener und hält vernehmlich lachend diese Szene auf Video fest. Und weil das so lustig ist, landet es schliesslich im Netz.

Lustig oder nicht lustig…

Im Facebook Post gab es nun verschiedene Kommentare. Manche fanden das lustig, andere überhaupt nicht. Die Meinungen gingen auseinander von „Das arme Kind, das würde ich nicht erlauben“ über „man kann ein Kind nicht vor allem schützen“ und  „sicher hat jemand das Kind getröstet“ bis  „Humor hilft oft über ein Missgeschick“.

Grundsätzlich glaube ich, dass Kinder sehr wohl wissen was sie sich zutrauen können. Trotzdem passieren manchmal Unfälle. Soweit alles ganz normaler Alltag.

Empathie, was soll das sein?

Doch was mich an dieser Geschichte so beschäftigt hat, waren nicht die Hypothesen über das was passiert ist oder was man Kindern erlauben kann oder nicht, sondern – welche Botschaft bekommt ein Kind, wenn sein Missgeschick auf diese Weise öffentlich ausgestellt wird? Dass es sich wehtun kann und jeder der es sieht, darf darüber lachen. Und ich denke (wenn das wiederholt passiert), es wird seiner eigenen Wahrnehmung, dem körperlichen und seelischen Schmerz nicht mehr trauen. Es wird versuchen runterzuschlucken was schmerzt. Es wird dem eigenen Gefühl misstrauen und glauben was andere sagen, die von seinem Innenleben möglicherweise auch keine Ahnung haben. Und dann ist es nur mehr ein kleiner Schritt bis zu jenen Videos die manche Jugendliche untereinander teilen, indem sie einen ausgesuchten „Deppen“ zur Lachnummer machen. Denn sie haben keine Ahnung wie der andere sich fühlt, weil niemand mit ihnen selbst mitgefühlt hat. Wollen wir für unsere Kinder so eine Welt? Ich bestimmt nicht und ich glaube Du auch nicht.

Innere Stimmen

Freilich ist es nicht immer leicht, als Erwachsene Einfühlungsvermögen (fällt mir gerade auf wie schön hier das Wort Vermögen wirkt) zu zeigen. Denn schliesslich haben wir ja auch unsere Geschichten und Situationen in welchen wir nicht ernst genommen wurden. Und Sätze wie:  „alles halb so schlimm,“ „Humor ist, wenn man trotzdem lacht“ oder „tu dir nichts an“ kommen mir da in den Sinn. Sicher kannst Du dazu noch einiges beisteuern.

Für mich war dieses Video jedenfalls einmal mehr Anlass, über innere Stimmen nachzudenken. Aber auch darüber, wie wir die Welt von morgen für unsere Kinder haben wollen und was wir als Erwachsene dazu beitragen können.

Selbstverständlich sagen oder tun wir alle ab und an etwas Doofes…

Worte für das was gerade ist.

Doch wenn ich an der Stelle des kleinen Jungen gewesen wäre, hätte mir folgendes sicher sehr gut getan: „Es tut mir leid, dass ich gelacht habe – wie ich sehe findest du es gar nicht lustig… usw.“.

Wahrscheinlich hätte ich auch gerne, dass jemand meinen Kopf und meine weichen Knie wahrnimmt, damit ich mich verstanden fühlte. Und je nachdem welche Art von Kind ich wäre, könnte dann noch etwas anderes kommen. Wie zum Beispiel darüber reden, wie es für mich war, auf diese unmögliche Weise zu rutschen, oder Trostworte, eine Atempause, gedrückt werden usw. Einen Erwachsenen dabei haben, der in dem Moment mit mir, bei mir ist.

Doch der erste Satz würde mir zeigen, dass der Erwachsene mit mir fühlt, mich versteht und ausspricht wofür ich in dem Schreck-Moment noch keine Worte habe und lachen und weinen zusammenbringt.

So jetzt ist es heraus.

Und nun bin ich gespannt wie Du über die ganze Geschichte denkst.