AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Meine (vorläufigen) Antworten zu Jesper Juuls Leitgedanken.

Sonja von Mama Notes hat mich mit ihrem inneren Monolog über einen Jesper Juul Vortrag zu diesem hier inspiriert.
Die Werte Gleichwürdigkeit, Integrität, Authentizität, Verantwortung summa summarum: Beziehung statt Erziehung, sind ja so eine Art Leuchtturmfeuer an welchem man sich orientieren kann. Doch so eindeutig wie sie klingen, geben sie sich in der alltäglichen Praxis ja nicht und regen kontinuierlich zum Nachdenken an. Über drei dieser Aspekte schreibe ich diesmal aus meiner Erfahrung.

Wann ist mein Kind reif für Verantwortung

Eine der häufigsten Fragen ist: Wann kann ich meinem Kind für dies oder das die Verantwortung überlassen?
Und in einer anderen, nicht weniger häufigen Variante: Wann wird mein Kind endlich lernen für …….. Verantwortung zu übernehmen.
Die Antwort ist, finde ich, geradezu lächerlich einfach. Wenn es dafür bereit ist. Du fühlst Dich jetzt provoziert? Nun, ich kann mich erinnern, genau dieselbe Antwort habe ich auch erhalten. Und dann dachte ich, ja und wie kann ich erkennen, dass mein Kind für eine Verantwortung reif ist?
Ob für die Ordnung im eigenen Zimmer, die Pausenbrote, die eigene Gesundheit, die Wäsche, das Lernen, die Verkehrssicherheit mit dem ersten Moped oder die Berufswahl, wenn ich soviel Geduld aufbringen konnte darauf zu warten, bis unser Sohn die Verantwortung selbst übernehmen wollte, klappte es gut und nachhaltig.
Gut, wirst Du jetzt sagen, wenn er will, dann will er ja. Aber was ist wenn er nicht will?
Auch diese Frage habe ich mir oft gestellt und deshalb hier die Punkte gesammelt die mir meistens eine Antwort beschert haben.
– geht es bei Verantwortung um schlichte Aufgabenteilung oder fühle ich mich in meiner täglichen Arbeit zuwenig wertgeschätzt – worum geht es wirklich?
– sind da unterschiedliche Auffassungen und Sichtweisen von Ordnung, Reihenfolge oder Tempo? Ich zum Beispiel, lebe gern in einem halbwegs aufgeräumten Haus, für meinen Sohn ist es aber z.B. gerade wichtiger ein altes Radio zu zerlegen, oder den neuesten japanischen Comic zu lesen, oder sich nach einer durchwachten Nacht auszuschlafen usw.
– Habe ich klar gesagt, was ich wie, haben will?
– In welchen Verantwortungsbereich fällt die Angelegenheit wirklich? Geht es um meinen Bereich oder nicht. Wenn nicht, dann ist es auch nicht mein Ding.
– Stimmt meine Erwartungshaltung mit dem Tempo und der Reihenfolge meines Kindes überein?
– WIE sage ich, was ich sagen will? Nerve und meckere ich rum, oder kann ich meine Bedürfnisse und Grenzen klar ausdrücken?

Die Kehrseite der Medaille – Eigenverantwortung

Was bedeutet das für mich, Verantwortung für mich selbst zu übernehmen? Für meine Gefühle, meine Handlungen, die Beziehung und die Atmosphäre?
Heute scheint mir das eine relativ leichte Übung. Scheint, weil unser Sohn bereits erwachsen ist und ich in den zurückliegenden Jahren ordentlich Erfahrungen sammeln konnte.
Wenn ich aber zurückdenke, so war das mit der Mama-Eigen-Verantwortung keine so leichte Sache. Denn es geht ja nicht darum was man tut oder lässt, sondern darum, unerwünschten, alten Mustern zu begegnen. Wie oft haben die wohl die Leitung zu meiner Verantwortungslampe gekappt? Frag mich lieber nicht.
Das alles passiert in Sekundenbruchteilen und emotionaler Berg- und Talfahrt.
Gott sei Dank gibt es auch ein Danach – in welchem man, nach einer gründlichen Nachdenkpause die Verantwortung übernehmen kann. Und wenn man das in persönlicher Sprache tut, dann macht auch das Eindruck, wie Jesper so schön sagt. Ehrlich gesagt, hat das Danach in meinem Fall weit öfter Eindruck gemacht, als der Versuch jetzt – gleich – sofort -, Verantwortung zu übernehmen. Und wie sagt man doch so treffend, Selbsterkenntnis ist der erste Schritt…usw.
Verantwortung für mich selbst zu übernehmen sehe ich deshalb als Prozess. Es bedeutet, mich selbst kennen zu lernen. Meine Werte, Erwartungen, Denk- und Beziehungsmuster überprüfen, angleichen, überprüfen, angleichen, überprüfen…. und… freundlich, geduldig mit mir selbst sein. So komme ich mir und meiner Verantwortung immer näher.

Wieviel Beziehung braucht mein Kind?

Hier kommt oft die Aussage: Ich finde so wenig Zeit mit meinem Kind und dann habe ich ein schlechtes Gewissen.
Ich habe auch in langen Abschnitten viel und gerne gearbeitet, bzw. mir Zeit für verschiedenste Interessen und Leidenschaften genommen. Ja klar, ist auch häufig dieser Gedanke aufgetaucht „ich sollte doch lieber etwas mit dem Junior machen“. Aber wenn ich ehrlich mit mir bin, so waren genau jene Momente mit unserem Sohn am wertvollsten (für uns beide übrigens), in welchen ich wirklich anwesend war, ihm zugewandt, offen für das Du – das Ich und die Beziehung. Wenn ich also zurück schaue oder meinen Sohn frage, so waren das eher kurze Momente im sich nahe fühlen, sich erkennen und gesehen werden, als miteinander mehr oder viel Zeit verbringen. So ist es oft nur ein Augen-Blick, ein Lächeln oder ein unausgesprochenes Nicken das bewegungslos zwischen zwei Augenpaaren stattfindet.
Ich behalte inzwischen mein schlechtes Gewissen für mich, denn das gehört ganz allein mir und muss nicht zwingend mit den Bedürfnissen meines Sohnes übereinstimmen.
Wenn ein Kind Beziehung vermisst, dann zeigt sich das zuverlässig. Zum Beispiel in lästig sein, Wut, Angst, Rückzug, Angriff, jammern usw. Und dann hilft das schlechte Gewissen auch nicht, sondern eher ein offenes Ohr mit direkter Verbindung von Herz zu Herz, für die Begegnung zum gerade aktuellen Thema, im Hier und Jetzt, in diesem Augenblick.

Authentizität – oder wo sind bloss meine Grenzen?

Wenn ich über Authentizität nachdenke, erinnere ich mich sofort an all die Konfliktsituationen, in welchen ich rückblickend sicher sehr authentisch war, mich aber so überhaupt gar nicht haben wollte. Und immer spielten meine persönlichen Grenzen mit.
Wenn es also um meine Grenzen ging, mischte sich oft so ein Troll ein: „Ach sei doch nicht so… denk nicht immer an dich… du bist nicht so wichtig… gib doch nach… sei nett… du kannst nicht einfach nein sagen… erklär das… du musst doch einen Grund haben…“, du kennst bestimmt noch weitere ähnliche solche Meldungen aus dem Keller des unbewussten Bewusstseins.
Irgendwann begriff ich: Wie soll mein Kind ein „Nein“ ernst nehmen, wenn ein undefiniertes Fragezeichen auf meiner Stirn klebt?
Die Aufgabe bestand also darin, diese Troll-Sätze zu identifizieren und herauszufinden, was will ich denn wirklich? Und vor allem, wo ganz genau sind jetzt meine Grenzen?
Der Rest ist „fast“ ein Kinderspiel. Auch das ist ein Prozess – leider, denn es passiert nicht von heute auf morgen, weil ich mir das jetzt so vorgenommen habe. Du kennst das sicher auch.
Ich wünsche Dir viel Spass bei Deinen Entdeckungs – Runden und reiche Erkenntnisse. Und schreib mir gerne wie Du darüber denkst.