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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Ach, das ist nur eine Phase.

Kürzlich hatte ich ein Gespräch mit einer Mutter, die mir von einem Problem erzählte, das mir nur allzu bekannt ist.

Es ging darum, dass sie sich mit anderen Eltern über die täglichen Herausforderungen mit ihrem Kind ausgetauscht hat. Über rechtzeitig aufstehen, Zähne putzen, anziehen, Ordnung, Regeln, Essen, Hausaufgaben, Körperpflege, schlafen gehen usw. Auch darüber wieviel Aufregung oft von neuen Situationen, Erlebnissen oder unvorhergesehene Veränderungen ausgelöst wird. Heftige Wutanfälle beim Kind, wegen kleiner Anlässe. Klingt soweit auch nach ganz normalem Familienalltag. Denn alle Eltern erleben solche Phasen als mehr oder weniger schwierig.

Wenn du aber ein Kind mit besonderem Entwicklungsprofil hast, ist das dasselbe nicht das Gleiche. Denn wenn solche „Phasen“ beim, sagen wir „durchschnittlichen“ Kind, in einem gewissen Zeitraum auftreten und in absehbarer Zeit vorbeigehen, brauchen Kinder mit Entwicklungsdefiziten oft Jahre um die kleinen Alltagsaufgaben und Ereignisse einigermassen zu bewältigen. Und die Gefühlsausbrüche in der Situation, sind sowohl häufiger als auch intensiver.

Nicht so sehr deshalb, weil man als Mama oder Papa an der Grenze der Belastungsfähigkeit angelangt ist (was natürlich auch des öfteren der Fall ist), sondern weil das Kind mit seiner Gefühlswelt so leicht aus dem Gleichgewicht gerät. Aus scheinbar kleinen, oder nicht unmittelbar sichtbaren Anlässen verstrickt es sich in Wut, Angst oder Aufregung. Es verliert in null Komma nix seine innere Balance, weil zum Beispiel etwas anders als erwartet eintrifft.

Im Englischen bin ich bei der Beschreibung solcher Zustände schon mehrmals auf den Begriff „meltdown“ gestossen. Das bedeutet laut Wörterbuch eigentlich „Kernschmelze“. Gemeint ist in diesem Zusammenhang aber ein Nervenzusammenbruch. Damit bringen sie uns ein aufs andere Mal aus dem Gleichgewicht, lassen uns oft hilflos fühlen und berühren unsere eigenen ungeliebten Muster. Und auf diese Weise fordern uns diese Kinder im ganz gewöhnlichen Alltag mehr, als sich ein Unbeteiligter vorstellen kann.

Wenn du auch so ein Kind hast, dann wirst du jetzt wahrscheinlich nicken und denken: Oh, ja – das kenne ich. Es ist soviel schwieriger und anstrengender, mit diesem sonst so wunderbaren Kind den ganz normalen Alltag zu bewältigen.

Und wenn du keinen unmittelbaren Vergleich mit anderen Kindern hast, weil es dein einziges Kind ist, kann es dir leicht (so wie mir) passieren, dass du dich falsch fühlst. Dass du glaubst irgend etwas mit deinem Kind noch nicht richtig oder gut zu machen. Denn immer wieder hörst du: „Ach, das ist ganz normal – ist nur eine Phase“.

Kennst du das?