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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Das tägliche Drama im Badezimmer.

„Hast du schon deine Zähne geputzt?“ ist wohl die häufig gestellte Frage, wenn das Kind im Schlafanzug im Bett sitzt und dich mit dem aktuellen Buch im Schoß erwartungsfroh ansieht. Zur Bestätigung nickt es nachdrücklich und ruft „vorlesen bitte!“

Soweit kennen dieses Szenario wohl die meisten Eltern. Manchmal kann es dann sein, dass es diesen Teil der Körperpflege vergessen hat – aus Vorfreude auf das Abendritual oder auch um der unangenehm empfundenen Prozedur zu entgehen. Vielleicht hatte es auch heute oder seit ein paar Tagen einfach keine Lust auf Zähne putzen. Doch im großen und ganzen weiss das Kind schon, Zähne putzen ist nötig. Und es tut das normalerweise auch, wenn auch nicht mit Begeisterung. Und als Eltern sind wir so ja durchaus zufrieden. Oder?

Ganz anders ist der abendlich Alltag aber, wenn du ein Kind hast, dessen Wahrnehmung und Verarbeitung aus dem Gleichgewicht geraten ist.

Der herausragende Ort des Geschehens ist das Badezimmer. Die Requisiten, eine Zahnbürste, Wasser in einem Becher oder aus der Leitung plus zwei angebrochene und eine am Nachmittag neu erstandene Tube Zahnpasta. Letztere soll der Weisheit letzter Schluss sein. Hoffentlich!

Aus den Erfahrungen der beiden davor getesteten Tuben weisst du, dein Kind kann Minze nicht ertragen und den süßlich, künstlichen Himbeergeruch nicht mal riechen. Deshalb schraubt es jetzt langsam und misstrauisch die dritte Tube auf und schnuppert vorsichtig daran. Denn nach mehreren klärenden Worten hat dein Kind sich jetzt für die Öko-Tube mit Meersalz und Salbei entschieden.

Nun wäre ja alles gut, wenn die empfindlichen Geschmacksnerven dieses Produkt schlussendlich tolerieren.

Leider ist es bei sensitiv empfindlichen Kindern häufig so, dass sie nicht nur einen Bereich – den Geschmack/Geruch – weit stärker wahrnehmen. Oft kommt dazu auch eine Empfindlichkeit auf Berührung – ja, auch im Mundraum – und das betrifft dann auch die Zahnbürste.

Auf Nachfragen erhält man nicht unbedingt eine schlüssige Antwort, denn das Kind hat aufgrund der langsameren Verarbeitung solcher Eindrücke zu wenig Erfahrungswerte.

Ein nicht zu unterschätzender Faktor ist ebenso die Handmotorik. Auch hier entwickeln sich Bewegungsmöglichkeiten oft langsamer und später. Da kann die Handhabung der Zahnbürste schon mal zur echten Herausforderung werden. Und wenn die Zahnputzstimmung auf Stress steht, wird alles nochmal schwieriger. Denn beide, dein Kind und du wollen diesen Teil der Körperpflege so schnell und reibungslos hinter sich bringen. Richtig? Je öfter und länger diese Diskussionen im Badezimmer andauern, desto lieber willst du dieses Problem endlich gelöst haben!

Die Frage ist nun: soll man auf all diese Dinge Rücksicht nehmen? Oder Konsequenzen ins Auge fassen?

Aus meiner Erfahrung liegt die Antwort, wie so oft, in der Mitte. Wahrnehmung und Empfindlichkeiten können sich anpassen – in kleinen Schritten. Dabei können wir als Mama helfen. Herausfinden, was genau am Zähneputzen so schlimm ist. Deshalb frag dein Kind in etwa so: ich weiss nicht was für dich am Zähneputzen so schrecklich ist, kannst du darüber nachdenken und mir dann sagen woran es liegt?

  • Wenn es tatsächlich am übersteigerten Empfinden der Zahnpasta liegt, dann finde heraus worauf dein Kind empfindlich reagiert.
  • Lass dein Kind den Härtegrad der Zahnbürsten ausprobieren.
  • Zum Eingewöhnen lieber kurze Zahnputzsequenzen als eine lange.
  • Für Kinder die ihre Handmotorik erst entwickeln, eine Zahnbürste mit gutem „Griff“
  • Bleib in Kontakt und bestätige wie es für dein Kind ist.
  • Sorge für eine entspannte Atmosphäre (vielleicht ist es leichter in deiner Gesellschaft, oder mit einem anderen Familienmitglied, oder auch einem Lied, der Lieblingsmusik)
  • Bleib gelassen und standhaft.

Erlaubt ist, was dauerhaft hilft, bis es zur Gewohnheit geworden ist. Mit einem sensitiv empfindlichen Kind dauert das auf jeden Fall länger als du denkst.  😉