AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Ab jetzt wird alles besser…

Ich bin gerade dabei meine Erfahrungen, Erkenntnisse und Einsichten als Mama für mein Buch „Keine Rabenmutter mehr…“ zu sammeln. Bis zum Schulstart war ich ja überzeugt, dass alles einigermassen gut gehen wird mit der Schule und unserem Sohn. Doch schon in den ersten Wochen, ja eigentlich Tagen, zeichneten sich immer größere Schwierigkeiten ab. Und das Scheitern nahm unbarmherzig seinen Lauf.

Rückblickend fällt mir auf, wie oft ich mit jeder neuen Abklärung/Therapie/Anpassung gehofft und geglaubt habe: Jetzt wird alles besser!

Auch mit dem Wechsel von einer Schule in die nächste. Dieser Hoffnung habe ich mich gleich mehrmals hingegeben. Denn der Druck war hoch und eine Lösung dringend. Bis ich endlich in allen Fasern verstanden habe: unser Sohn braucht für einige Entwicklungsschritte einfach mehr Zeit, mehr Unterstützung und mehr Entspannung in der gesamten Atmosphäre. Dass tolle pädagogische Konzepte und schönes Lernmaterial, wenig an seiner Neugierentwicklung ändern, so lange sein Stresslevel bloß mit dem Gedanken an die Schule derart in die Höhe schnellt.

An dieser Stelle gebe ich auch gerne zu, dass ich mich immer wieder der Hoffnung hingegeben habe – diese oder jene Therapie würde helfen, die Entwicklungslücken aufzufüllen. Und dann würde es auch in der Schule besser klappen. Obwohl ich sehr gerne selbst etwas nützliches beitragen wollte, das ihm hilft, so habe ich doch auch in äußeren Hilfestellungen den Schlüssel zum Problem gesucht.

Ganz ehrlich, wir haben mehr als eine der professionellen Hilfen beansprucht – und fast immer ist unser Sohn gerne hingegangen – aber die Hoffnungen, dass sich die Lage in einigermaßen absehbarer Zeit bessert, haben sich nicht erfüllt.

Nebenbei und zwischendurch haben wir auch Ernährungs-Gewohnheiten, Bewegungsmöglichkeiten, Sport, Spiel und Freizeit überprüft und angepasst. Alternative Wege in der Heilkunde gesucht und gefunden, Geburtsgeschichte reflektiert, in unseren Verhaltensmustern nach Fehlern gesucht, um sie zu orten und durch neue Modelle zu ersetzen. Wir haben verglichen und angeglichen. Doch nach einer anfänglichen kleinen Verbesserung (manchmal gar nicht, manchmal wirklich, oft herbeigewünscht), war wieder alles beim Alten.

Wenn ich das hier schreibe spüre ich nachträglich wie anstrengend das war – merkst du das auch? Kennst du das?

Was ich heute mit Sicherheit aber sagen kann, solange du es nicht schaffst, den Druck und Stress aus den Lernprozessen deines Kindes heraus zu halten und auch selbst nicht entspannt begleiten kannst, ist die ganze Atmosphäre zum lernen und entwickeln vergiftet. Denn Lernen unter Hochspannung ist einfach nicht möglich.

Gleichgültig ob es nun um praktische Fähigkeiten wie Schreiben oder Lesen geht oder um das Verständnis für Mengen und Größen. Um soziale Kompetenz, Selbstmotivation, Ausdauer, Aufmerksamkeit, Konfliktfähigkeit, Handlungsplanung/Ordnung oder Frustrationstoleranz. Wenn ich als Kind ständig in meinem Können überfordert bin, dann findet der Lernprozess einfach nicht statt. Oder nur sehr, sehr langsam. Das wäre so, als ob du das Balancieren nicht auf der Stange in Bodennähe lernen solltest, sondern auf dem Hochseil in schwindelnder Höhe. Selbst wenn du schwindelfrei bist, wird dir das schwankende Seil über dem Abgrund den Angstschweiß auf die Stirn treiben, nicht wahr?

Da kann man dem Kind auch noch so viel erklären und meinetwegen auch belehren. Solcher Input landet höchstens im Kopf aber nicht im inneren Selbstverständnis. Einfach ausgedrückt, im Herzen. Ich habe viel zu lange gebraucht um das zu verstehen und auch danach zu handeln. Was ich heute tun würde und auch gerne empfehle, kannst du hier jetzt nachlesen:

  • Kläre womit genau dein Kind Schwierigkeiten hat (Motorik, Koordination, Sinne und Wahrnehmung, soziale Aufmerksamkeit, Handlungsplanung, Ausdrucksfähigkeit, Ängste/Befürchtungen, sozialer Austausch, innere und äußere Konfliktkompetenz usw.). Je genauer du weißt, worin dein Kind Lernbedarf hat, desto besser kannst du es unterstützen.
  • Gib deinem Kind Zeit und Möglichkeiten, sich diesen schwierigen Schritten zu stellen und daran zu lernen.
  • Unterstütze und begleite es in seinem emotionalen Erleben zB. „Ja, ich sehe, wie schwierig das für dich ist“
  • Die große Aufgabe in kleine, für das Kind machbare Schritte zerlegen.
  • Ermutige dein Kind ohne Erfolgsdruck es einfach zu wagen, egal wie weit es mit einem Versuch kommt.
  • Erkenne gelungene Schritte mit warmen Worten an zB. „Es ist dir so schwer gefallen diesen Schritt zu gehen – und jetzt bist du so weit … gekommen.“
  • Teile die Freude über einen gewonnenen Schritt mit deinem Kind, auch wenn es scheinbar nur ein kleiner Sieg ist. „Das hättest du dir nicht gedacht, aber ich glaube an dich…“
  • Liefere deinem Kind nur so weit Hinweise, dass es ein Problem auch selbst lösen kann.

Und zu guter Letzt – bleib bei dir! Nimm Hinweise auf Entwicklungslücken ernst, aber setze dich nicht unter Druck. Schenke deinen auftauchenden Gefühlen zum Problem deine Achtsamkeit, nimm sie an, denn sie sind da und wollen gesehen werden. Und vertraue deine drängendsten Sorgen, Zweifel und Befürchtungen jemand an, mit dem du diese Gedanken und Gefühle wertfrei teilen kannst.

Wenn du Fragen zu diesem oder ähnlichen Themen mit deinem Kind hast, schreib mir gerne in den Kommentar oder schick mir eine Email. Vielleicht ist der nächste Artikel genau für dich 😉