AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Die Idee mit dem Osterhasen

Als unser Sohn so etwa 5 Jahre alt war, wollte er unbedingt, auf jeden Fall und ganz dringend mal den Osterhasen sehen. Und am besten auch gleich sprechen. Dazu hatte er prompt eine grossartige Idee: Er würde die Nacht über draussen im Zelt verbringen. Davor aber, kreuz und quer eine Schnur spannen (ähnlich einem Spinnennetz), die Endstücke am Zelt befestigen und mit ein paar Glocken (davon hatten wir genügend) verbinden.

Dann würde er nämlich aufwachen, wenn der Osterhase unseren Garten betritt. So könnte er schnell aufspringen und dem Osterhasen hinterherlaufen. Und logischerweise auch endlich mal mit ihm sprechen (über Geschenke und so).

Na ja, die ganze Sache ist an einer Schnur gescheitert, die lang und stabil genug gewesen wäre, um 1500 Quadratmeter zu vernetzen. Und ganz ehrlich, ich war sehr froh darüber, denn es war Frühling und die Nächte noch …..kalt.

Und was hat das jetzt mit der Entwicklung von Selbstorganisation zu tun?

Stell dir vor, ich hätte den Junior nach besten Kräften unterstützt und es wäre ihm gelungen seine Idee zu verwirklichen. Dann hätte er doch die maximale Motivation gehabt sich nicht nur zu bewegen, nein, er hätte mit Begeisterung und allergrösstem Einsatz seine Muskeln, Gelenke, seine Koordination, seinen Gleichgewichtssinn und schliesslich sein Körpergefühl trainiert.

Denn so wie der Osterhase, hätte er natürlich über zahlreiche Hindernisse springen müssen, um sich im Netz nicht zu verheddern. Keine Therapie, kein Bewegungsprogramm wäre in punkto Enthusiasmus zu einem annähernd gleichen Ergebnis gekommen. Freilich machen Bewegungsangebote Kindern auch Freude (je nach Interesse und Leitung), aber dieses Mass an Begeisterung hätten sie sicher nicht erreicht.

Und da sind wir auch schon am Punkt.

Vom Körpergefühl zur Handlungsplanung

Wenn wir an Bewegungs-Entwicklung denken, tauchen spontan Fähigkeiten wie sitzen, krabbeln, stehen, gehen, radfahren, springen, laufen, balancieren usw. in unserer Vorstellung auf.

Durch meine Erfahrung mit unserem Sohn ist mir jedoch klar geworden, dass es auch noch andere Aspekte gibt, die durchaus erheblichen Einfluss auf die Bewegungs-, Gehirn- und schlussendlich die soziale Entwicklung haben können.

Zum Beispiel das mangelnde Gefühl für den eigenen Körper (was übrigens häufig auch nach Kaiserschnitt-Geburten passieren kann). Das Problem ist, wenn man sich im eigenen Körper nicht gut zuhause fühlt, Bewegung nicht gut spüren kann, hat das unmittelbare Auswirkungen auf die Bewegungsentwicklung. Und wenn sich Bewegung nicht gut anfühlt, bewegt man sich auch nicht gern. Das wiederum beeinflußt auch die Selbstorganisation.

Wie soll man auch einen Plan oder eine Struktur für sich finden, wenn Körper und Raum ineinander zu verfliessen scheinen. Und so ist es auch verständlich, dass solche Kinder Schwierigkeiten haben, wenn sie eine Tätigkeit vom Anfang bis zum Ende durchführen wollen oder sollen (zB. beim aufräumen, anziehen, Aufgaben erledigen usw.).

Und wenn man zusätzlich noch sehr offen für alle Reize der Umgebung ist, versteht sich von selbst, dass so ein Kind in einer Gruppe von Gleichaltrigen schnell überfordert, overloaded ist.

Nun, was kann man in so einem Fall tun?

Man könnte natürlich dem Kind jeden Schritt vorsagen, damit es am Ball bleibt. Was Du damit aber erreichst, ist meist, dass erstens das Kind allmählich das Gefühl bekommt: Ich schaffe das nicht allein und zweitens, dass es sich an deinen Leitfaden gewöhnt und es gar nicht mehr versucht einen eigenen Plan zu entwickeln, weil der Punkt unter erstens schon wirksam ist.

Du könntest dein Kind auch zur Bewegungstherapie schicken (auch das macht Sinn und wie oben erwähnt, oft Spass). Aber was dein Kind unter Umständen auch erlebt, ist die Botschaft: ich bin nicht ok, so wie ich bin – etwas ist mit mir nicht in Ordnung.

Das Spiel mit anderen Kindern ist selbstverständlich eine super Möglichkeit. Wenn Du aber so ein ganz besonderes Kind hast, dann findet es aufgrund seines unregelmässigen Entwicklungsprofils schwer Freunde und fühlt sich in Gruppenaktivitäten nicht besonders wohl. Und so kann es sein, dass es bereits als Aussenseiter gilt und die Gelegenheiten nicht gar so häufig und ausreichend vorhanden sind.

Übermut tut gut!

Wenn Du also einen wirklich wertvollen Beitrag für die Entwicklung Deines Kindes leisten willst, dann geh hinaus und spiel mit ihm! Du darfst dabei auch ruhig herausfordernd sein, soweit es innerhalb der Spass-Grenze bleibt und nicht zum Wettbewerb verkommt.

Zum Beispiel, Ballspiele, Fussball mit Papa oder fangen, tanzen, verstecken, spielen, klettern, schwimmen. Folge einfach den Ideen und dem Tempo deines Kindes, biete Variationen an und lass deine grossartigen Beschäftigungseinfälle in deiner Hosentasche. Es muss nichts aussergewöhnliches sein (wie die gedankliche Jagd nach dem Osterhasen;).  Das Wichtigste ist der Spass, den ihr miteinander habt.

Warum? Weil Dein Kind die Erfahrung macht, dass es sich toll anfühlt sich zu bewegen. Und weil so ein emotionales Erlebnis tief und ganzheitlich wirkt. Im Sinne von, geteilte Freude ist doppelte Freude. Gerald Hüther würde sagen: die Giesskanne der Begeisterung nutzen – Übermut tut in diesem Fall also wirklich gut. Da tut man plötzlich Dinge, die man sonst niemals tun würde und dadurch werden neue Muskeln und Bewegungsmuster ausprobiert und aktiviert. Je öfter, desto besser 😉

Danach kannst Du erkennen, dass Dein Kind nicht nur müde, sondern auch „satt“ ist und… dass ihr euch wieder ein Stück weit näher gekommen seid.

Schreib mir, wenn du Fragen oder Anmerkungen zu diesem Thema hast.

Ich freu mich auf Dich!

PS: wenn Du Spielanregung brauchst, kann ich Dir das Buch von Fred Donaldson wärmstens ans Herz legen – „Von Herzen spielen“