AD(H)S, Asperger & Co.

Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Wo kommt bloss die Motivation her?

Dein Kind sitzt vor der Hausaufgabe und es geht einfach nichts weiter. Draussen scheint die Sonne, du wolltest mit ihm Kastanien sammeln, aber der Zeiger der Uhr rückt unerbittlich vor und erobert sich Stunde um Stunde den ganzen schönen Nachmittag. Du versuchst es mit Hinweisen, Pausen und allen Motivationshilfen die Dir gerade einfallen. Und wenn die Aufgaben schliesslich fertig sind,  winkt die Sonne mit einem letzten Strahl hinter dem westlichen Hügel hervor.

Kommt Dir das bekannt vor?

Achtsam warten.

In den ersten Jahren als Mutter, fiel es mir wirklich leicht der Entdeckerlust unseres Sohnes zu folgen. Ich war einfach neugierig was er als nächstes auskundschaftet und wie er ein auftauchendes Problem lösen würde. Ich hatte jede Menge Zeit, Geduld und auch Vertrauen in seine wachsenden Fähigkeiten. Und ich hatte keine Erwartungshaltung, was er wann können sollte. Gut, das war etwas leichtsinnig von mir, aber das ist eine andere Geschichte.

Der Ernst des Lebens.

Mit dem Beginn der Schulzeit wendete sich das Blatt abrupt. Plötzlich wollte ich mit dem Tempo und den Anforderungen der Schule mithalten und setzte unseren bisher so neugierigen Sohn unter Druck damit seine Leistung einigermassen den Erwartungen der Schule entsprach. Innerhalb von wenigen Wochen, ja eigentlich Tagen, war es damit vorbei, dass er Schule schön und interessant fand. Ich habe erst sehr spät bemerkt, wie sehr er von der ganzen Situation Schule überfordert war. Und ich glaubte viel zu lange, dass ich nur den richtigen Schlüssel finden musste um seine Motivation zu aktivieren. Dabei hatte ich aus dem Blick verloren, einfach achtsam zu beobachten und zu sehen wie es für ihn ist.

Wie konnte es nur so weit kommen?

Rückblickend weiss ich, meine eigenen Schulerfahrungen waren keineswegs dazu angetan, lernen entspannt zu sehen. Niemals ging es schnell genug mit meinen Fortschritten, die Ergebnisse waren nie zufriedenstellend und die Angst zu versagen, war permanent vorhanden. Denn wenn ich nicht vorwärts kam, wurde der Druck erhöht. Lernen ist schwierig, man muss sich anstrengen und Disziplin aufbringen, das war meine tief verborgene Vorstellung von Lernen und Leistung.

Still und unbemerkt haben sich meine eigenen Muster zu Lernen und Schule in die Situation mit unserem Sohn eingeschlichen. Und es hat viele Konflikte und Warnzeichen gebraucht, bis ich aus diesem Albtraum aufgewacht bin.

Zurück blieb ein Scherbenhaufen.

Die Motivation zu beinahe jedem Schulthema war für unseren Sohn auf den Nullpunkt gesunken. Nichts ging mehr. Sein Vertrauensbonus in mich war erschöpft und sein Selbstvertrauen so gut wie nicht mehr vorhanden.

Als ich das begriff, machte ich eine Kehrtwendung. Ich erinnerte mich wie es die Jahre davor war. Wie neugierig, interessiert und unentwegt er die Geheimnisse der Welt entschlüsselt hat.

Ohren zu und durch.

Allen Prophezeiungen zum Trotz, wollte ich wieder darauf vertrauen, dass in unserem Sohn das Interesse und die Neugier wieder erwacht. Und ich wollte achtsam in Beziehung sein um zu erkennen, wann er selbst einen Weg finden würde und wann er meine Hilfe brauchte.

Das liest sich jetzt sicher leichter, als es für mich war, denn gleichzeitig musste ich die inneren Stimmen beruhigen (das dauert zu lange, er tut ja nichts gescheites, vielleicht ist das doch falsch…usw), und die Ratschläge von aussen, gegen das Vertrauen in unseren Sohn und sein Potential eintauschen.

Der Tag wird kommen…

Oh ja, der Tag kam. Nach ungezählten Spaziergängen, um meinen Geduldsfaden und die Zuversicht wieder zu finden, ist es gelungen. Und erst recht für unseren Sohn. Erst durch selbstgesteckte kleine Ziele, dann durch immer grössere Erfolgserlebnisse, hat er seinen Weg tatsächlich gefunden. Schneller als gedacht, ist er an die Schule zurück gekehrt um eine Ausbildung zu machen.  Weil er die Zeit hatte, über sich, seine Fähigkeiten und Interessen nachzudenken, hat er auch scheinbar unüberwindliche Hindernisse gemeistert.

Meine Erkenntnis daraus:

Kinder lernen am nachhaltigsten, wenn sie die Lösung für ein Problem selbst finden. Weil die Lösung eine emotionale Bedeutung hat. „Ich habe das geschafft, aus eigenem Antrieb – Yippieee!“ Das stärkt ihr Neugierverhalten, ihre Ausdauer, ihr Selbstvertrauen und ihre Kreativität. Deshalb biete ich jetzt meine Hilfe oder Erklärung erst dann an, wenn ich (altersabhängig) mit oder ohne Worte danach gefragt werde. Die schönsten Momente sind für mich aber die, in welchen ein Kind selbst die Lösung findet und die Freude darüber mit mir teilen will. Denn die stärkste Motivation kommt von innen, mit dem Gesehen-werden von aussen.

Wie geht es Dir mit dem achtsamen Warten? Ich freue mich über deinen Kommentar, deine Fragen oder deine Erfahrungen.