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Die 3 wichtigsten Entwicklungsimpulse für dein Kind.

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Die Angst vor den Noten

Eigentlich wollte ich diesmal über Kinderängste schreiben und wie du deinem Kind helfen kannst Monster, Dunkelheit und andere Gespenster, so klein zusammen zu kochen, dass sie in den Spalt unter der Tür passen, wo sie sich davon machen können.

Zeugnis-Angst und Frust

Und dann kam diese Idee, die doch wirklich gut zum bevorstehenden Schulschluss passt. Und gar nicht so selten, löst ja auch dieses Ereignis Angst aus.

Bei Kindern, weil sie ihre Leistung leicht mit dem Grad des Geliebtwerdens verbinden. Oder mit der zu erwartenden Belohnung, die aufgrund von Noten vielleicht nicht eintrifft. Oder schlimmstenfalls wegen der Konsequenzen oder Strafe, wenn sie das angestrebte Ziel nicht erreicht haben usw.

Bei Jugendlichen, weil vielleicht der Notendurchschnitt nicht wie erwartet oder erwünscht ist. Weil dadurch ein Schulübertritt, ein Ausbildungswunsch, ein Abschluss, zukünftige Pläne und Aussichten scheinbar unmöglich werden. Oder weil es cool oder uncool ist, welche Noten man im Schulgepäck hat, beziehungsweise den Erwartungen der Eltern damit nicht gerecht werden kann.

Und bei den Eltern, weil sie vielleicht glauben, dass die 9 – 12 Jahre Schulzeit oder mehr, ausschlaggebend für das Gelingen der restlichen Lebenszeit ihres Kindes ist. Und weil sie sich um die Zukunft ihrer Kinder sorgen.

Glaub mir, ich kenne all diese Facetten zum Thema Schule und Noten. Und du bestimmt auch. Hab ich recht?

Und warum ist das so?

Bei mir, weil ich selbst viel Druck zu diesem Thema gespürt habe. Meine ganze Kindheit und Jugend hindurch. Und das hat nicht nur Wunden hinterlassen, sondern auch stark verankerte Glaubenssätze, wie zum Beispiel: „Dann musst du dich eben mehr anstrengen“, „du bist ja nicht dumm, sondern nur faul“, „wenn das mit der Schule schon nicht klappt, wirst du es zu nichts bringen“ und viele andere Sätze in dieser Art.

Und ich merke, solche Worte hatten nicht deshalb soviel Kraft weil ich sie so häufig gehört habe, sondern weil sie in einer dazu passenden Atmosphäre gefallen sind. Es war eben nicht einfach dahin gesagt, vielmehr war die emotionale Botschaft dahinter dazu angetan, den Glauben in mich selbst, meine Fähigkeiten und Möglichkeiten einzuschränken.

Meine Sorgen gehören mir.

Und… sie mischten sich völlig unangemeldet in die Schulthemen mit unserem Sohn ein. Als Angst und Sorge zum Beispiel: Wenn er diesen oder jenen Gegenstand, Übertritt, Abschluss usw. nicht schafft, welche Aussichten hat er dann für sein künftiges Berufsleben?

Oder als innere Vorstellung zum Lernen überhaupt: „Man muss sich nur hinsetzen und sich ordentlich anstrengen“, „Übung macht den Meister“, „Lernen ist kein Spass“ etc.

Wie in allen Sprichwörtern, liegt ja auch hier eine kleine Portion Wahrheit. Aber was wahr, wahrscheinlich oder möglich ist, liegt auch immer im Potential des Kindes. Was ist ihm eben gerade möglich? Woran kann es lernen? In welchem Tempo und unter welchen Umständen?

Kinder sind verschieden

Auch wenn unser Schulsystem immer besser darauf ausgerichtet ist, Kinder nach Alter, Schulklassen, Noten und Abschlüssen zu ordnen – Kinder sind verschieden.

Und es ist normal, wenn der eine 8-jährige Junge zum Rechenkünstler wird und sein Schulfreund in derselben Klasse, schon beim zweistelligen addieren hängen bleibt. Es ist auch normal, dass ein Mädchen Aufsätze wie eine Erwachsene schreibt und die gleich alte Freundin sich den Kopf zerbricht, ob man ‚lief‘ mit i oder ie schreibt.

Jedes Kind hat sein Tempo und seine Reihenfolge. Was für den einen interessant und leicht ist, fordert den anderen heraus. Und ein paar Schuljahre oder Zeugnisse sind kein Hinweis auf Lebenstüchtigkeit.

„Oft haben Kinder, gerade weil sie einen schwierigen Start ins Leben hatten, einen ausgeprägten Drang, es im Leben sehr weit zu bringen.“

Ich liebe dieses Zitat von Astrid Lindgren. Denn wenn man sich verschiedene Lebensgeschichten ansieht erkennt man, dass Lebens- und Berufswege nur selten geradlinig verlaufen. Deshalb haben sich für mich als Mama die Dinge in dieser Sache relativiert, wenn ich an Schule und die Zukunft unseres Sohnes denke.

Was du tun kannst, wenn dich das Zeugnis verstimmt:

+ Hilf dir selbst! Sprich mit jemand deines Vertrauens über deine Sorgen, Befürchtungen, Glaubenssätze und Gefühle.

+ Sortiere und ordne deine eigenen Schul-Erfahrungen und frag dich, welche Sätze (auch die unausgesprochenen) sich in die Zeugnissituation mit deinem Kind einmischen.

+ Erinnere dich, dass dein Kind noch immer ein Wunder ist. Ein Wunder das sich entfaltet, wenn es die Zeit bekommt, die es dafür braucht.

Wie du deinem Kind bei Noten-Bauchweh hilfst:

+ Sehr wahrscheinlich hat dein Kind alles getan um die Erwartungen und Ziele zu erfüllen. Schenke ihm deine Anerkennung für seine Anstrengungen.

+ Gib ihm Worte für das was es gerade erlebt. Die Enttäuschung, die Angst, den Frust, die Wut – die ganze Palette der Gefühle und Emotionen die gerade da sind.

+ Räume ihm etwas Zeit ein, diese Gefühle kommen und gehen zu lassen – bis du erkennst, dass dein Kind wieder im Gleichgewicht ist.

+ Wenn es dann bereit ist, kannst du mit einer Rückschau helfen: Was ist passiert? Wie? Warum? Lass dein Kind dazu selbst nachdenken, welche Ideen ihm beim nächsten Mal helfen können.

+ Biete erst dann Möglichkeiten an, wenn dein Kind nicht weiter weiß und lass deinem Kind Zeit eine eigene Wahl zu treffen.

Oft können wir als Eltern nicht viel tun, wenn unser Kind mit dem Lernen Schwierigkeiten hat. Aber wir können das Kind mit all seinen Gefühlen ernst nehmen und ihm zeigen, dass es unabhängig von Noten und Zeugnissen einfach wunderbar ist. Nicht wahr?

Schreib mir gern wie du darüber denkst… ich bin gespannt auf deine Überlegungen!